mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Dem «Gigiwonder» auf der Spur: Jeanne Devos und Viet Anh Alexander Tran. © Florian Spring
Vidmar 2, Liebefeld

Die Kunstwelt steht Bein

Ruth Mensah ist seit dieser Spielzeit Regieassistentin bei Bühnen Bern. Mit der Uraufführung des bizarren Stücks «Gigiwonder. Die Geschichte eines Beins» steht die junge Kölnerin nun selbst am Regiepult.

Veranstaltungsdaten

DI 25.01.2022 19.30
DI 01.02.2022 19.30
SO 06.02.2022 18.00
SO 20.02.2022 18.00
DI 15.03.2022 19.30
DI 29.03.2022 19.30

Eine Betonpyramide thront in einer Galerie irgendwo in der Schweiz. Durchaus imposant in ihrer Erscheinung, aber auf den ersten Blick nichts, was das kunsthungrige Publikum nicht auch schon gesehen haben könnte. Wäre in deren Mitte nicht ein echter Beinstumpf eingelassen. Einmal um den Globus Der schläfrige Moment von Gigi, einem Nachtwächter auf einer Baustelle in Kenia, oder vielmehr die Entscheidung des chinesischen Baustellenleiters, nach versehentlicher Einbetonierung Gigis Bein kurzerhand zu amputieren, hat der internationalen Kunstszene eine neue Sensation eingebracht. Über verschiedene Stationen hinweg verfolgen in «Gigiwonder. Die Geschichte eines Beins» ein Bauarbeiter und eine Bauarbeiterin, gespielt von zwei Ensemble-Mitgliedern von Bühnen Bern, Viet Anh Alexander Tran und Jeanne Devos, die Reise des grotesken Kunstwerks um die Welt. Das Stück entstammt der Feder der deutschen Autorin Vera Schindler und wird von Regisseurin Ruth Mensah zur Uraufführung gebracht. Chefdramaturgin Felicitas Zürcher holte sie letzten Herbst von der renommierten Folkwang Universität in Essen, wo Mensah ihr Regiestudium absolviert, um sie für zwei Jahre bei Schauspiel Bern zu engagieren. Für die Produktionen «Tuntschi. Eine Häutung» und «Von schlechten Eltern» arbeitete Mensah als Regieassistentin. Mit «Gigiwonder» gibt sie ihr Regiedebüt in Bern. Zum Theater kam Mensah über das Schreiben. Bevor sie einen der begehrten Plätze im Fach Regie erlangt hatte, studierte sie Germanistik und Politikwissenschaften. 

Schreibend zum Theater

In dieser Zeit gründete Mensah gemeinsam mit dem Kunstschaffenden Leon Illies das interdisziplinäre Kollektiv Text Werk 14. Zunehmend lasen sich ihre Texte, die sie als szenische Lesungen oder in theatralen Kontexten präsentierte, wie Spielanweisungen. «Ich begann die Bühne mitzudenken», erzählt sie. Bei der Arbeit an den Texten von «Gigiwonder» habe sie die Frage beschäftigt, wie sie eine Geschichte inszenieren kann, die ein globales Thema behandelt, aber aus westlicher Perspektive verfasst ist. Dem Stück, welches auf zynische und zugleich poetische Weise die kapitalistische Logik des Kunstbetriebs und den Wert eines Körperteils im globalen Kontext untersucht, möchte Mensah mit ihrer Interpretation eine Portion Optimismus hinzufügen. 

Events zu diesem Artikel

Folgen Sie uns

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden