mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
«Ich hatte schon immer einen guten Draht zum Teufel», sagt Johannes Dullin.© Marco Frauchiger
Tojo Theater Reitschule, Bern

Der Teufel trägt Joggingschuhe

«Johannes Dullin spielt den Teufel», die neue Soloperformance des in Bern lebenden Schauspielers, schickt das Publikum im Tojo auf einen «spielerischen Höllentrip». Der Performer über das an Stand-up-Comedy angelehnte Stück und seine Beziehung zum Teufel. Normal, fast nerdig ist er angezogen, der Teufel. Ein gepunktetes Hemd, in die Hose gestopft. Eine Brille mit Gläsern wie Flaschenböden und quietschgrüne Joggingschuhe. Mit steilen Behauptungen, Widersprüchen, falschen Fährten und Manipulation spielt er mit dem Bewusstsein der Zuschauerinnen und Zuschauer. Er ist gleichermassen berechnend und verführerisch, seine Sprache direkt und knapp, Kommunikation in Tweet-Länge. Und auch seine sogenannten Witze sind abstrus: Manche sind verworren, andere führen schlicht ins Leere, fluid und wirr, lustig bis verstörend, wie das digitale Zeitalter, in dem wir uns nicht mehr so ganz sicher sein können, wo oben und unten, was links und was rechts ist.

Von Menschen erschaffen

«Ich hatte schon immer einen guten Draht zum Teufel», sagt Johannes Dullin, der ebendiesen in seinem neuen Ein-Mann-Stück verkörpert. «Er ist eine von uns Menschen erschaffene Figur. Ich glaube nicht, dass es ausserhalb des menschlichen Bewusstseins so etwas wie gut und böse gibt.» In «Johannes Dullin spielt den Teufel» bedient er sich der Sprache der Stand-up-Comedy. Dullin findet es schade, dass diese als reine Unterhaltungskultur gelte: «Comedy ist für mich etwas sehr Direktes, Echtes. Es scheint, als vertrauten manche den Comedians mehr als den Anchormen in den Nachrichten.»

In der «Anarchie-Hochburg»

Anarchie schwinge für ihn im Wesen des Teufels mit, sagt Dullin. «Dass ich das Stück im Tojo in der Reitschule, quasi in Berns Anarchie-Hochburg zeigen kann, finde ich sehr passend.» Wie in seinen früheren Produktionen ist die Bühne – bis auf einen Barhocker, ein Glas Wasser und einen Mikrofonständer – nackt. So ist das Stück mobil und kann auch ausserhalb des Theaterraums gezeigt werden. Wo er den Teufel spielt, ist sowieso unwichtig. Denn Dullin nimmt das Publikum mit auf einen «spielerischen Höllentrip».

Events zu diesem Artikel

Keine Veranstaltungen

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden