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Aus der Gruppe ausbrechen oder die Gruppe dominieren? In «Vier Jahreszeiten» gibt es mehrere Interpretationsmöglichkeiten.© Gregory Batardon
Stadttheater Bern

Der ewige goldene Kreislauf

Im Stadttheater Bern bringt die Direktorin für 
Tanz, Estefania Miranda, das bild-, ton- und ausdrucks­starke Stück «Vier Jahreszeiten» zur Musik von Max Richter auf die Bühne.

Schimmernde Körper verknoten sich ineinander und lösen sich. Auf einer golden glänzenden Drehscheibe rasen sie aufeinander zu und entfernen sich voneinander. Den Prolog des bildstarken Tanztheaters «Vier Jahreszeiten» von Estefania Miranda, der Direktorin für Tanz am Konzert Theater Bern, verbringt das Publikum auf der Bühne sitzend. Ganz nahe dran am sagenhaft schönen Treiben, das die Beziehung zwischen Mann und Frau, die Schöpfung und die Entstehung des Lebens behandelt. Tiefe Bässe und rituell anmutende, repetitive Musik verleiht dem Liebestanz eine sakrale Bedeutung. Die Kostüme, welche die Choreografin selbst entworfen hat, geben den Körpern einen modernen, ästhetischen Charakter. Was neben der Ausstattung und den geschmeidigen Bewegungen besonders beeindruckt, sind die ausdrucksstarken Gesichter der Tanzenden.

 

 

Kontrastreiche Bilder

Der Hauptteil steht in starkem Kontrast zum Prolog (Musik: David Lang). Musikerinnen und Musiker des Berner Symphonieorchesters spielen «Four Seasons recomposed» von Max Richter. Der Engländer komponierte 2012 eine neue Version der «Vier Jahreszeiten» und verwarf 75  Prozent von Vivaldis Originalkomposition. Dies ergibt eine moderne, leichtere Version, in der der Geist des Originals aber deutlich spürbar ist.


Nicht nur Frühling, Sommer, Herbst und Winter sowie die vier Elemente Luft, Erde, Wasser und Feuer werden thematisiert. Im Frühling steht das Kollektiv im Zentrum, das sich harmonisch auf der Drehscheibe bewegt, wie ein Rudel. Im Sommer sind die Tänzerinnen und Tänzer im Gleichschritt, pulsierend, wie auf einer Technoparty. Im Herbst tauchen einige auf, welche die Gruppe dominieren und für ihre Zwecke instrumentalisieren. Manche wollen sich selbst Territorien schaffen, was dadurch symbolisiert wird, dass sie die Erde unter der Drehscheibe an sich reissen. Im Winter kommt eine Person mit der Disharmonie nicht klar, will aus dem ewigen Kreislauf ausbrechen und begeht schliesslich Selbstmord. Die Gruppe wacht auf und beginnt zu pulsieren, der Kreislauf beginnt von neuem.

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