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Christoph Kail (breitbeinig, Mitte vorne) verkörpert McMurphy abgeklärt, intrigant und manipulativ.© Severin Nowacki
Das Theater an der 
Effingerstrasse, Bern

Das Nest des Narzissten

Der Narzisst unter den Irren: Christoph Kail spielt Randle McMurphy in der Bühnenversion von «Einer flog über das Kuckucksnest» im Theater an der Effingerstrasse.

Wien hört man ihm nicht so gut an. Daran ist wohl die Bühne schuld. Hier fühlt sich Christoph Kail seit 27 Jahren zu Hause. Momentan arbeitet er daran, die Sprache von Dale Wassermans «Einer flog über das Kuckucksnest» «ins Maul zu kriegen». Laut Kail ist die Sprache – und das Frauenbild – der Theater­fassung nach dem Roman von Ken Kesey «stark in den 60er-Jahren verhaftet». Er spielt den Protagonisten Randle McMurphy, der Unruhe in 
die psychiatrische Anstalt bringt. Die Schauspielergruppe und der Regisseur und zukünftige Theaterleiter Alexander Kratzer setzten denn auch auf die Aktualität des Themas. «Die Anstalt steht für ein autoritäres System. 
McMurphy wäre heute vielleicht ein Blogger, der der Regierung ein Dorn im Auge ist und mundtot gemacht werden sollte», sagt Kail.

Interesse am Bösen

Eigentlich wollte Kail Förster, später Fotograf werden. Doch erst als er sich ans Rollenspiel und das Theater heranwagte, fühlte es sich richtig an. Die Rolle des Bösen reizt ihn besonders. «So kann man Seiten ausleben, die jeder in sich trägt, aber im ‹normalen› Leben nicht rauslässt.» Die Rolle des aufrührerischen McMurphy kommt ihm also gelegen: «Er ist alles andere als ein angenehmer Zeitgenosse oder eine Jesusfigur, die das böse System aufbricht. Er ist ein Narzisst, der alle nach seinen Regeln spielen lässt und die Mitmenschen ausnutzt», sagt Kail. Er spielt ihn dementsprechend abgeklärt, intrigant und manipulativ. Jack Nicholsons Verkörperung in der Verfilmung hat sich Kail bewusst nicht erneut angesehen, um der Figur eigene Impulse geben zu können, statt etwas kopieren zu wollen.

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