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Alles wird in Flammen stehen: Manrico und seine Ziehmutter Azucena. © Philipp Zinniker
Stadttheater Bern

Brüder bis aufs Blut

Konzert Theater Bern inszeniert Verdis Oper «Il Trovatore» mit starken Sängerinnen und Sängern, einem minimalistischen Bühnenbild und mittelalterlich inspirierten Kostümen. Ein Augen- und Ohrenschmaus.

Alles Übel beginnt mit einer Hinrichtung. Ein mittelalterlicher Graf lässt eine Zigeunerin auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Bevor die als Hexe Gebrandmarkte stirbt, beschwört sie ihre Tochter, Rache zu nehmen. Diese will daraufhin den Sohn des Grafen ins Feuer stossen, opfert aber aus Versehen ihr eigenes Kind und zieht an dessen Stelle den adeligen Knaben Manrico gross, der nichts von seiner Identität ahnt. Der Kindheit entwachsen, wird dessen älterer Bruder, der Conte di Luna zu seinem grössten Rivalen. Die beiden bekriegen sich im herrschenden Bürgerkrieg und buhlen um die gleiche Frau – bis es zum dramatischen Showdown kommt.

Düsteres Zeitalter

So die im Spanien des 15. Jahrhunderts angesiedelte Handlung von «Il Trovatore», einer Oper in vier Teilen von Giuseppe Verdi. Regisseur Markus Bothe inszeniert das Meisterwerk mit starken Sängerinnen und Sängern (Musikalische Leitung: Jochem Hochstenbach), die in einem minimalistischen Bühnenbild (Kathrin Frosch) agieren. Eine einfache Konstruktion ergibt ein Haus, das mal ein Palast, eine Kirche oder ein Gefängnis suggeriert. Ohne plumpe Verweise auf die Jetztzeit kommen auch die Kostüme aus. Mit steifen Krägen, schwarzen Schleiern und einem blutüberströmten Hemd wird das düstere Zeitalter der spanischen Romantik heraufbeschworen.

Singender Troubadour

Die kroatische Starsängerin Lana Kos vermag das Publikum als von beiden Brüdern begehrte Leonora mit ihrem Sopran und dem für Verdis Opern typischen Belcanto zu begeistern. Der Bösewicht ist ein Bariton: Jordan Shanahan gibt den unnachgiebigen Widersacher von Manrico (Martin Muehle), der als nächtlich singender Troubadour der Oper ihren Namen verleiht.

Eindrückliche Chorszenen, erhabene Arien («In deines Kerkers tiefe Nacht») und starke Bilder machen den Abend zu einem Ohren- und Augenschmaus. Am meisten Applaus erhält an der Premiere die polnische Sängerin Agnieszka Rehlis als rachsüchtige leidende Zigeunerinnentochter Azucena, die mit ihrem dunklen Mezzosopran das Haus, tatsächlich und im übertragenen Sinn, brennen lässt.

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