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Ein herrlich phlegmatischer Herrscher: Christoph Kail als Romulus.© Severin Nowacki
Das Theater an der Effingerstrasse, Bern

Ausverkauf der Kultur

In «Romulus der Grosse» lässt der letzte römische Kaiser das Imperium bewusst untergehen. Alexander Kratzer inszeniert Dürrenmatts Komödie im Theater an der Effingerstrasse. Das im Verschwinden begriffene römische Imperium steht Kopf. Der Lorbeerkranz des Kaisers zählt gerade noch fünf Blätter von den ehemals 36. Die Staatsverschuldung beläuft sich ins Unermessliche, zu Schleuderpreisen werden die letzten Besitztümer verjubelt. Die Barbaren Germaniens stehen vor den Toren Roms, der Un­tergang des zuvor grossen Reiches scheint beschlossene Sache zu sein. Wie nun dem Unumgänglichen begeg­nen? Gelassen natürlich!

Im römischen Bad verweilend blickt Romulus (herrlich phlegmatisch: Christoph Kail) dem Ende entgegen, zelebriert Gemütsruhe und die Liebe zur Hühnerzucht mit seinem Kammerdiener Pyramus (audsrucksstark: Josef Mohamed). Die wenigen verbleibenden Protagonisten, darunter seine Frau Julia, seine Tochter Rea, der Bote Spurius Titus Mamma und der Kriegsminister Mares verfallen zunehmend der Panik.

Kultur bewahren – Ja oder nein?

Vergnüglich und heiter inszeniert der Regisseur Alexander Kratzer das Stück «Romulus der Grosse» von Friedrich Dürrenmatt, das 1949 uraufgeführt wurde, mit einem wandelbaren Ensemble, modernen Kostümen und einem erfrischenden Bühnenbild. Dabei ist die Thematik der «ungeschichtlichen historischen Komödie» eine ausgesprochen ernste, beschäftigt sie sich im Kern doch mit der Frage, inwiefern es erstrebenwert ist, eine angeeignete Kultur zu bewahren.

«Die Weltgeschichte nicht stören»

Romulus lässt Rom bewusst vor die Hunde gehen, da er keinen Sinn darin sieht, die dekadente Gesellschaftsordnung aufrecht zu erhalten. Dabei lässt er sich zu Sätzen bewegen wie «Ich möchte die Weltgeschichte nicht stören» oder «Wieso, ist Kultur etwas, das man retten kann?». Alle Versuche zur Umstimmung scheitern, selbst als der gewiefte kapitalistische Hosenverkäufer Cäsar Rupf (Simon Käser) ein Angebot zum Kauf des Reiches macht. Als schliesslich die Invasion bevorsteht und der germanische Regent Odoaker eintrifft, scheint das Ende besiegelt.

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