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Kornelia Lüdorff, Nicola Trub und Gabriele Fischer als Gattinnen von Diktatoren übertrumpfen sich mit Anekdoten über Stalin und Fidel Castro.© Severin Nowacki
Das Theater an der Effingerstrasse, Bern

An seiner Seite

Das Theater an der Effingerstrasse zeigt zur Wieder­eröffnung Theresia Walsers politisches Stück «Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel» über drei Diktatorengattinnen.

Zwar sind alle Diktaturen zutiefst patriarchalisch – ein Mann steht an der Spitze, gestützt von zahlreichen Männern –, aber selbstverständlich helfen Frauen ebenso tatkräftig mit, die düsteren Ideale durchzusetzen. Und ein paar wenige Frauen werden dafür natürlich auch mit Rampenlicht belohnt. Im Stück «Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel» der deutschen Dramatikerin Theresia Walser stehen für einmal diese Frauen im Zentrum: Die Protagonistinnen Frau Margot (Kornelia Lüdorff), Frau Imelda (Nicola Trub) und Frau Leila (Gabriele Fischer) sind angelehnt an Margot Honecker, Imelda Marcos und Leïla Ben Ali. Allerdings ist das mit dem Rampenlicht so eine Sache in diesem Fall: Offiziell ist keine der drei Diktatorengattinnen mehr im Amt, die einzige Hoffnung auf ein letztes bisschen Ruhm ist die geplante Verfilmung ihrer Biografien. An einer gemeinsamen Pressekonferenz übertrumpfen sich die Frauen mit Anek­doten aus ihren besten Jahren, als Geschenke von Fidel Castro und Partys bei Stalin noch an der Tagesord­nung waren. Als überraschendes Element im Reagenzglas agiert derweil der Dolmetscher Gottfried (Jeroen Engelsman), dessen lose Simultanübersetzungen alsbald zu gefährlichen Missverständnissen führen.

Mechanismen der Macht

Walsers Stück wurde 2013 in Mannheim uraufgeführt und seither an zahlreichen Orten gespielt und in fünf Sprachen übersetzt. Im Theater an der Effingerstrasse wird es von Stefan Meier inszeniert. Einsicht, oder gar Reue, zeigen die drei Hauptfiguren ohne Nachnamen in dieser Geschichte natürlich nicht – das würde nicht zuletzt ihren realen Vorbildern widersprechen. Aber auch wenn Walsers drei Frauen ihre Nachnamen mit kaltblütigen Männern teilen, geht es bei «Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel» nicht um historisch akkurate Porträts. Vielmehr konzentriert sich das Stück auf die Mechanismen der Macht, ganz unabhängig vom zeitlichen und geografischen Kontext. Dies wird bereits im Titel deutlich: Das harmlos wirkende Zitat wird allgemein dem libyischen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi zugeschrieben, welcher in punkto diktatorischer Langlebigkeit neue Massstäbe setzte. Volksnähe, so das Fazit, muss keineswegs real sein, sie muss einfach gut verkauft werden. Und darin sind Frauen selbstverständlich ebenso gut wie Männer.

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