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Irina Wrona und Nico Delpy üben sich mit heissen Tüchern in Selbstoptimierung.© Annette Boutellier
Vidmar 1, Liebefeld

An der Grenze

Elia Rediger und Jürg Halter bringen mit «Das Resort» ein politisch hochaktuelles Singspiel auf die Bühne. Die erste grosse Zusammenarbeit der beiden verspricht böse, grotesk und ein bisschen kitschig zu werden. «Viel Glück beim Ordnen meiner ­Gedanken», sagte Elia Rediger am Ende des ­Gesprächs. Ein Gespräch, das schnell den roten Faden verloren hatte und in Abgründe gelangte. Über den Sinn und die Dringlichkeit von Kunst und Kultur, Dinge nicht nur schwarz-weiss zu zeigen. Über die Angst vor dem definitiven Klimakollaps. Und über seinen menschlichen Zorn, den ihn tagtäglich an- und vorantreibt, ­genau das zu tun, was er tut, um auch genau dieser Angst entgegenzutreten.

Ein Gespräch also über Alles, Vieles und Grosses. Und doch trifft es am Ende genau den Kern ihres neuen Werkes: «Das Resort – Ein Singspiel über das tragische Ende der Selbst­optimierung». Gemeinsam mit dem Berner Dichter und Musiker Jürg ­Halter schrieb Rediger, Basler und ­ehemaliger Frontmann der Band The Bianca Story, eine Drei­groschenoper des 21. Jahrhunderts für ein Salonorchester und acht Schauspielende. So bewegen sich Rediger komponierend und Halter schreibend auf den Spuren Bertolt Brechts und Kurt Weills, «was äusserst in­teressant war, dies in unsere Zeit zu bringen».

Vor vier Jahren hatte Rediger Halter den Vorschlag gemacht, eine politische Operette über einen CEO von Glencore zu schreiben. Halters Antwort war schlicht: «Ja, eh!» Entstanden ist ein Singspiel ohne Glencore, aber mit ­groteskem Charakter. Ein Stück über einen Bergsturz, der Gäste, Personal und das Salonorchester in einem ­Alpenhotel einschliesst und die Pro­tagonisten an ihre Grenzen bringt. Vielleicht schwebt da auch ein wenig Sartres Huis Clos mit? 

Fieser Kitsch

«Jürg war der perfekte Partner für dieses Unterfangen», sagt Rediger. «Sein Geschick mit der Sprache, sein Spiel mit den Dingen, den Klischees, die man nicht hören will – genau das braucht eine Operette.» Auch musikalisch: atonale Cluster, kaputte Klänge bis hin zum «fiesen Kitsch, der einem im Hals stecken bleibt». Denn Rediger reicht die einfache Provokation nicht: «Kunst will auslösen und bewegen. Dringend.» 

 

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