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Das Bekannte hört für Asja im Wald vor ihrer Hütte auf. © ZVG
Tojo Theater Reitschule, Bern

Am Rand der Welt

Ein Dasein, abgeschieden von der Zivilisation: Julian M. Grünthal inszeniert «Findling» nach einer Erzählung von Karen Köhler im Tojo Theater.

Die Hamburger Autorin Karen Köhler schreibt in ihren Kurzgeschichten über Seelenverwandte in Krankenhäusern, über verlorene Geschöpfe im Death Valley, von einem der «Zigaretten holen geht» und nicht mehr zurückkehrt und über Familien, die zum Scheitern verurteilt sind. Ihre Protagonistinnen sind kauzige Aussenseiterinnen und desillusionierte Aussteigerinnen, die sich alle «der Unbill des Lebens mit aller Kraft entgegenstemmen», wie Köhler in einem Interview sagte.

Asja im Text «Findling» lebt abgeschieden von der Zivilisation. Sie spricht weder die Sprache der Menschen, noch kennt sie die Welt, die sich hinter dem ihr bekannten «Draussen» erstreckt. Die 70-Jährige war noch nie in einer Stadt und kennt ausser ihrer Familie, den «Meinmeinen», niemanden. Nur eine Ärztin und ihr Begleiter verirrten sich einst in die Wildnis: «Sie kamen viele Sommer, um uns vom Draussen zu erzählen, und wollten von uns alles wissen.» Doch die Winter in den sibirischen Wäldern sind kalt und fordern ihre Opfer. Asja ist jetzt alleine.

Im Universum der Einsiedlerin

Der Regisseur und Schauspieler Julian M. Grünthal – er inszenierte unter anderem mit Samuel Schwarz den Film «Polder» – nimmt sich Köhlers Text für die Bühne an. Die Geschichte ist im Erzählband «Wir haben Raketen geangelt» (2014) zu finden. Drei Schauspielerinnen, eine Tänzerin und eine Musikerin erwecken die Einsiedlerinnen-Welt zum Leben. «Er schaut in seiner Inszenierung über den Rand der Geschichte hinaus und macht sie begehbar», schrieb der «Tages-Anzeiger» über die Premiere in Zürich.

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