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«Das voreilige Psychologisieren der Figuren kann die Fantasie einschränken.»© Severin Nowacki
Das Theater an der Effingerstrasse, Bern

«Aggression hat eine positive Kraft»

«Schreibstoff» ist ein Förderprogramm für junge Schreib­talente, lanciert vom Theater an der Effingerstrasse. Ein Gespräch mit der Gewinnerin Meret Hasler, deren Stück «Treibhaus» inszeniert und publiziert wird.

Meret Hasler, was ist Ihr Bezug zum Schreiben?
Schon bevor ich schreiben konnte habe ich zum Beispiel meine Eltern gezwungen, in die Sprechblasen meiner Comics zu schreiben. Als Maturarbeit habe ich einen Roman geschrieben und denke jetzt an einem zweiten herum. Während dem Studium schrieb ich ausserdem als Journalistin.

Wie kamen Sie zu Ihrem theatralen «Schreibstoff», der von Jugendlichen handeln sollte?
Ich habe mich hingesetzt und auf meine erste Assoziation verlassen: Der Raum roch nach Blumen, so kam ich aufs Treibhaus. Es hat viele paradiesische Elemente, es ist ein künstlicher Schutzraum in einer heilen Blase. Darin entfaltet sich der Jugendliche Tristan, der beim Wohnen und Arbeiten begleitet wird.

Er kämpft auch mit seinen Aggressionen. Ist das ein Thema, das Sie beschäftigt?
Ja. Aggression und Gewalt haben mich schon im Psychologiestudium sehr beschäftigt. Sie werden gesellschaftlich unterdrückt, dabei haben sie auch eine positive Triebkraft, die einem Selbstbewusstsein verleihen. Kinder sind die aggressivsten Menschen. Aber auch Jugendliche können ihre Impulse nicht immer gut regulieren.

Inwiefern kommt Ihnen die Arbeit als Psychologin beim Schreiben zugute?
Beim Erfinden von Figuren verlasse ich mich mehr auf mein Gefühl. Das voreilige Psychologisieren und wissenschaftliche Sezieren der Figuren kann die Fantasie einschränken. Dennoch befruchten sich beide Bereiche auch.

Stichwort «befruchten»: im Stück geht es auch um Liebe und Triebe, oder?
Genau. Ich habe mich an meine Teeniezeit erinnert: Wutanfälle, Abgrenzung und Liebeschaos sind da üblich. In Tristan keimen unterschiedliche Arten von Liebe, die er auseinanderhalten muss. Obwohl er Zuneigung zu Linda und Beat entwickelt, ist «Treibhaus» kein Coming-out-Stück, ich zeige den Ausschnitt eines Weges.

Was fasziniert Sie am Schreiben fürs Theater?
Die Lücken. Vieles schreibt oder erklärt man nicht, das hilft dem Zauber des Stücks. Dramaturgie und Jugendsprache sind auch ganz anders als beim Roman. Zum Glück hat mich die inszenierende Regisseurin Petra Schönwald als Mentorin im Prozess gut begleitet.

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