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Wa Bailes Stück handelt vom Gefühl, jederzeit Gewalt erfahren zu können. © Schlachthaus Theater Bern
Schlachthaus Theater, Bern

90 Minuten Angst

Polizeigewalt und Rassismus gehören zum Leben Schwarzer Menschen in der Schweiz. Und können tödlich sein. Die Schlachthaus-Performance «Wer hat Angst vorm weissen Mann» nennt Opfer beim Namen.

Denken wir an Mike Ben Peter. Er überlebte eine Polizeikontrolle in Lausanne nicht, bei der sechs Beamte minutenlang auf ihm knieten. Das war 2018. Die Anwälte der Polizisten stellen den Tod des 40-Jährigen als «unglücklichen Vorfall» dar – lehnen aber den Vorwurf von rassistisch motivierter Polizeigewalt ab. Peters war Schwarz. Sein Tod wurde einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Memorial für die Namenlosen

Auch der Berner Autor und Archivar Mohamed Wa Baile kennt den Rassismus von Behörden. Nach einer seiner Meinung nach unangemessenen Polizeikontrolle wehrte er sich durch alle Instanzen bis an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen rassistisches Profiling – das Urteil ist hängig.

Viele Opfer polizeilicher oder institutioneller Gewalt bleiben jedoch ohne Beachtung. Um diese Lücke zu schliessen, hat Mohamed Wa Baile im Breitenrain ein Memorial errichtet. Im Aktivist*innentreff «Living Room» listet er die Namen und Todesursachen von rassifizierten Menschen auf, die in polizeilicher Untersuchungshaft und in Flüchtlingszentren in der Schweiz zu Tode kamen. Er fasst sie mit dem eingängigen und augenscheinlichen Begriff «Helvetzide» zusammen.

Daraus entstand nach «Mohrenkopf im Weissenhof» und «Der Weisse Peter» sein neustes Stück «Wer hat Angst vorm weissen Mann?». Es feiert unter der Regie von Ntando Cele im Schlachthaus Theater Premiere.

«Polizeigewalt gehört zur Lebensrealität von Schwarzen Personen», ergänzt Ruth Mensah, die die Dramaturgie des Stücks verantwortet. Die rund 90-minütige Performance zeige aber auch strukturellen Alltagsrassismus und die subtile Gewalt, die in allen Bereichen des täglichen Lebens zu finden sei. Das beginne zum Beispiel beim infamen Kinderspiel, auf welches sich der Titel des Stücks bezieht.

Ein Spiel, umgedreht

In Wa Bailes Performance werden diese Verhältnisse umgedreht. Sie untersuche, wie unterschiedlich Personen innerhalb der Schwarzen Community mit den ständigen Verletzungen umgingen, so Mensah.

Natürlich sei es nicht möglich, im Spiel einen Ausweg aus dieser Realität zu finden. Vielmehr handle es sich bei «Wer hat Angst vorm weissen Mann» um eine Auseinandersetzung, die Rassismus beim Namen nenne, Betroffenen und solidarischen Personen aber auch eine Bühne gebe, um gemeinsam (heilende) Gegensprachen und Formen zu finden.

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