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Simnikiwe Buhlungu bespielt die Kunsthalle mit Sound und Film. Die Künstlerin arbeitet mit Sampling und Gospel.© Verena Blok
Kunsthalle Bern

Woo, Woo, Woo

Die südafrikanische Künstlerin Simnikiwe Buhlungu beschallt die Kunsthalle mit Soundinstallationen, die durchs ganze Haus strömen. «*dissonated underings [hic!], after-happenings and khuayarings (sithi “ahhhh!”)» heisst ihre erste Einzelausstellung.

Wenn die Künstlerin Simnikiwe Buhlungu den Titel ihrer aktuellen Ausstellung in der Kunsthalle ausspricht, klingt schon das wie eine kleine Soundperformance. Sie intoniert nämlich den Schluckauf, der sich in «*dissonated underings [hic!], after-happenings, and khuayarings (sithi “ahhh!”)» verbirgt. «Die Frage, was aus Dingen wird, je nachdem, wie wir sie betonen, interessiert mich», so Buhlungu. Die 1995 in Johannesburg geborene Künstlerin erhält in der Berner Kunsthalle ihre erste institutionelle Einzelausstellung. Der Fokus in ihrem Werk liegt auf der Untersuchung von Wissen und wie dieses überliefert und verbreitet wird. Die in Amsterdam wohnhafte Buhlungu bezieht sich oft auf ihre Heimat Südafrika. In der Kunsthalle, die gemeinhin ein Ort der visuellen Künste ist, sorgt sie mit Soundinstallationen und einem Film für ein akustisches Erlebnis.

Tiefe Frequenzen

Die Türen, welche die einzelnen Räume verbinden, bleiben bewusst offen. Der in einem Saal «platzierte» Sound strömt dadurch in andere Räume aus. Im Hauptsaal laden verschiedene modulare Plattformen die Besucher*innen ein, zu stehen, zu sitzen oder gar zu liegen. Buhlungu lässt unter anderem das Sample aus einem Lied des südafrikanischen Künstlers und Musikers Gerard Sekoto (1913-1993) erklingen. «Als er in Paris lebte, komponierte er zwei Alben mit Klavierstücken», so Buhlungu. Das wüssten aber viele nicht. Denn Sekoto sei bekannter für seine Malerei. «Ich nutze gerne Musik in meiner Arbeit», führt sie aus. In einem Raum präsentiert sie Sound mit so tiefen Frequenzen, dass man die Musik eher spüren als hören kann. Objekte sind hier keine präsent. Doch für Buhlungu ist der Raum alles andere als leer. Es passiere viel, sagt sie und klatscht in die Hände, um zu zeigen, wie dieser Raum hallt. Auch der unter den Füssen knarzende Holzboden gehört für sie zum Sounderlebnis.

Eine besondere Faszination hegt Buhlungu für Gospelmusik und «Khuaya». Mit letzterem ist ein Sichversammeln gemeint, bei dem sich ein sonorisches Ereignis einstellen kann. Für ihren Film, den sie in der Kunsthalle zeigt, hat sie einen «Open Call» in den sozialen Medien gestartet und nach Menschen gesucht, die singen können. Im Film trifft eine Gruppe von Freunden aufeinander. Diese stimmen, nachdem man sie über Alltägliches parlieren gehört hat, einen mehrstimmigen Gesang an, der mit der Wiederholung der Laute «woo, woo, woo» zu einem Klangkörper anschwillt. «Gospel kannst du nicht killen», sagt Buhlungu. Das Liedgut werde von einer Generation an die nächste übergeben. Es ist dieser Wissenstransfer, das Zusammengehörigkeitsgefühl und Storytelling, das Buhlungu an Khuaya fasziniert. Ihre Begeisterung für Lautmalerei und Sprachen hat auch damit zu tun, dass es noch immer kaum einen Wortschatz gebe, um Werke von Soundkünstler*innen zu beschreiben, so Buhlungu. Sie ist auf Einladung von Kunsthalle-Direktorin Kabelo Malatsie, die ebenfalls aus Südafrika stammt, nach Bern gekommen. Malatsie sind Experimente wichtig. Das entspricht Buhlungu. Denn sie ist überzeugt: «Es gibt mehr da draussen als das, was uns bereits vertraut ist.»

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