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Esther Ernst hält ihre Eindrücke auf dem Schilthorn fest.© Esther Ernst
Hotel Regina, Mürren

Wie es sich anfühlt, genau hier zu sein

Esther Ernst zeichnet als Gastkünstlerin des Hotel Regina eine Mürrener Wanderkarte der anderen Art. Am Kulturwochenende zeigt sie ihr Project in Progress.

«Ich erwache hier jeden Morgen mit Aufregung» sagt Esther Ernst. Die imposante Bergkulisse, diese ganz andere Höhenluft, der Rhythmus des alpinen Dorfs mit den ganz eigenen Geräuschen haben es ihr, die sonst zwischen Berlin und Solothurn pendelt, angetan. Einen Monat lang residiert die Schweizer Künstlerin, die vor allem mit Zeichnungen und Skizzen arbeitet, im Hotel Regina in Mürren. Und amtet im Bergort als Kartografin der besonderen Art. «Mürren bewandern» heisst ihr Project in Progress, bei dem sie im wahrsten Sinne des Wortes ihre fortschreitende Wahrnehmung aufzeichnet. Anders als in gängigen Landkarten, die nur Geodaten wiedergeben, verzeichnet Esther Ernst auf grossen Faltkarten neben topografischen Gegebenheiten auch ästhetische und emotionale Eindrücke, «eine persönliche Aufzeichnung dessen, wie ich mir den Ort wandernd aneigne. Ich frage mich dabei, wie es sich anfühlt, hier zu sein», erklärt sie. Gerade diese subjektive Beobachtung braucht es auch, um die vielen und teils auch sehr disparaten Bedeutungsschichten wiederzugeben. So trifft Ernst hier auf verschiedenste Sinn- und Objektwelten: Da sind die massiven Berge, da ist aber auch das charmante Interieur des Jugendstilhotels mit seinem Mikrokosmos von Bediensteten und Gästen. Und dann ist da noch der (Über)tourismus, der sich draussen auf den Dorfstrassen und Wanderwegen abspielt. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Zeichentechniken, die Ernst zu Hilfe nimmt: Mal fertigt sie analytische Zeichnungen an, mal flüchtig-filligrane Skizzen.

Entfaltung des Status quo

Die Ergehung von Räumen und Orten ist keine neue Arbeitsmethode für Ernst, sie wendet sie in ihrer Kunst, die auch sonst oft ortsspezifisch entsteht, immer wieder an. So verabeitete sie örtliche Eindrücke bereits in früheren Studienaufenthalten und Residencies in Südafrika, Kairo, aber auch Frankfurt oder Soest. «Gehen, sich fortbewegen ist eine Grundform menschlicher Erfahrung und Wahrnehmung, sie erschliesst für mich künstlerisch enorm viel.»

Zum Regina-Kulturwochenende, das wie jedes Jahr auch mit einem musikalischen Programm mit Kammermusik («Beethoven und Raff», «Musikalische Reise») und Jazz (mit Gitarrist Slawek Pilzga) aufwartet, entfaltet Esther Ernst den Status quo ihrer Mürrener Kartografie.

Vermutlich werde sie dann aber noch nicht ganz zu Ende damit sein, sagt sie, «schliesslich bleibe ich noch bis Ende Monat – und werde weiterwandern und aufzeichnen.»

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