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Christoph Beer vom Naturhistorischen Museum Bern: «Die Veränderung der Erde erfasst man erst, wenn man genau hinsieht.»© NMBE Schäublin
Naturhistorisches Museum, Bern

«Das ist kein erdgeschichtliches Drama»

Christoph Beer, Direktor des Naturhistorischen Museums Bern, hat in vergangener Zeit hin und wieder an den Weltuntergang gedacht – nicht nur der gleichnamigen Ausstellung wegen. Als Wissenschaftler rechnet er mit vielem – und ist trotzdem immer wieder überrascht.

Veranstaltungsdaten

DO 04.06.2020 09.00
FR 05.06.2020 09.00
SA 06.06.2020 10.00
SO 07.06.2020 10.00
MO 08.06.2020 14.00
DI 09.06.2020 09.00
MI 10.06.2020 09.00
DO 11.06.2020 09.00
FR 12.06.2020 09.00
SA 13.06.2020 10.00
SO 14.06.2020 10.00
MO 15.06.2020 14.00
DI 16.06.2020 09.00
MI 17.06.2020 09.00
DO 18.06.2020 09.00
FR 19.06.2020 09.00
SA 20.06.2020 10.00
SO 21.06.2020 10.00
MO 22.06.2020 14.00
DI 23.06.2020 09.00
MI 24.06.2020 09.00
DO 25.06.2020 09.00
FR 26.06.2020 09.00
Christof Beer, seit 2017 läuft im Naturhistorischen Museum Bern die Sonderausstellung «Weltuntergang». Wie oft haben Sie während der Zeit, in der das Museum wegen Corona schliessen musste, an dieses Thema gedacht?
Ab und zu sind mir schon Gedanken durch den Kopf gegangen, dass durchaus Bezüge zum Ausstellungsthema bestehen. Aber am Ende beschäftigten mich die fehlenden Besucher viel mehr. Zudem habe ich mir Sorgen um die Mitarbeitenden gemacht sowie über die Einnahmensverluste und die organisatorischen Massnahmen während der Schliessung.

Was ist Ihnen denn im Zusammenhang mit dem Weltuntergang konkret durch den Kopf gegangen?
Als Erdwissenschaftler hat man vermutlich einen anderen Blick, was die Einordnung der Pandemie anbelangt. Wir denken da an die biologische und erdgeschichtliche Dimension eines solchen Ereignisses. Für eine Population, die sich in exponentieller Entwicklung befindet, immer enger zusammenlebt, global vernetzt ist und ihre Lebensgrundlagen überbeansprucht, sind wachstumsbeschränkende Geschehnisse etwas ganz Natürliches. Eine Pandemie ist ein sehr wahrscheinliches Szenario. Wenn der Mensch einmal von der Erde verschwinden wird, ist das auch kein erdgeschichtliches Drama. Er ist nur eines von Millionen von Lebewesen, das im Verlaufe der mittlerweile 3,5 Milliarden Jahre alten Geschichte des Lebens für kurze Zeit die Erde besiedelt hat.

Dann haben Sie mit einer Pandemie gerechnet?
Ich habe damit gerechnet, ja. Aber es ist wie bei vielen unangenehmen Dingen im Leben: Man verdrängt sie.

Sie bezeichneten die Ausstellung «Weltuntergang» vor deren Beginn als wichtigen Schritt auf dem Weg zur Umsetzung einer neuen Strategie. Nämlich, naturwissenschaftliche Aspekte mit jenen der Kulturwissenschaften, der Kunst und Gesellschaft zu verbinden. Inwiefern ist Ihnen das gelungen?
Die Idee ist ja, mit dieser Strategie die Naturwissenschaften einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Mit der Ausstellung «Weltuntergang» konnten wir Besucherinnen und Besucher in einem überregionalen Umkreis ansprechen. Die Resonanz war bis jetzt meist sehr positiv. Es gibt Besucher, die seit ihrer Kindheit nie mehr im Naturhistorischen Museum waren und überrascht sind, wie sich dieses verändert hat. Einige sind auch erstaunt, weil sie so etwas wie die Ausstellung «Weltuntergang» in einem Naturmuseum nicht erwarten, sondern lediglich herzige Tierchen sehen möchten. Aber dieses Angebot besteht ja weiterhin.

Welcher Teil der Ausstellung Weltuntergang hat Sie persönlich am meisten berührt?
Das sind die Globen von Ingo Günther im Ausstellungsteil «Die gefährdete Erde». Sie erzählen von Veränderungen der Erde, die man erst erfasst, wenn man genau hinsieht. Und sie zeigen, dass die grösste Gefährdung für den Menschen der Mensch selbst ist. Zudem bekomme ich immer wieder Hüh­nerhaut, wenn ich am Bildschirm im Ausstellungsteil «Das fröhliche Leben» vorbei gehe. Dort singt Zarah Leander das Lied «Davon geht die Welt nicht unter», zusammen mit schunkelnden Nazioffizieren. Mich erstaunt, wie sich der Mensch in Not und bei Bedrohung verhält. Wie er sich der Fatalität hingibt; selten fällt er in Apathie, vielfach reagiert er mit erstaunlichem Zweck­optimismus, mit Verdrängung und Kreativität.

In den meisten Endzeitvisionen, so zeigt die Ausstellung «Weltuntergang», folgt auf die Katastrophe eine bessere Zeit. Können Katastro­phen Menschen ändern?
Ich denke, dass Katastrophen lediglich kurze bis mittelfristige Auswirkungen auf das Verhalten des Menschen haben. Wenn man die menschgemachten Katastrophen im Verlauf der Geschichte betrachtet, so kommt man zu einem wenig erbaulichen Bild über die Lernfähigkeit der menschlichen Gesellschaft. Im Laufe der Erdgeschichte lösten Natur­katastrophen und Klimaveränderungen schon mindestens fünf grosse Massenaussterben aus. Es ist gut möglich, dass der Planet Erde sich des Menschen in erdgeschichtlich relativ kurzer Zeit entledigen wird. Das ist weiter auch nicht schlimm, denn: Die Erde und das Leben auf ihr existieren mindestens noch zwei Milliarden Jahre weiter.

Events zu diesem Artikel

Ausstellungen

Weltuntergang – Ende ohne Ende

Die Sonderausstellung «Weltuntergang – Ende ohne Ende» versammelt Bilder, Funde und Erzählungen aus Wissenschaft und Kunst – zwischen Angst und Faszination.  Naturhistorisches Museum Bern , Bern 04.06.2020, 09.00 – 17.00
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Die Sonderausstellung «Weltuntergang – Ende ohne Ende» versammelt Bilder, Funde und Erzählungen aus Wissenschaft und Kunst – zwischen Angst und Faszination.  Naturhistorisches Museum Bern , Bern 05.06.2020, 09.00
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Die Sonderausstellung «Weltuntergang – Ende ohne Ende» versammelt Bilder, Funde und Erzählungen aus Wissenschaft und Kunst – zwischen Angst und Faszination.  Naturhistorisches Museum Bern , Bern 06.06.2020, 10.00
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Die Sonderausstellung «Weltuntergang – Ende ohne Ende» versammelt Bilder, Funde und Erzählungen aus Wissenschaft und Kunst – zwischen Angst und Faszination.  Naturhistorisches Museum Bern , Bern 08.06.2020, 14.00
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Weltuntergang – Ende ohne Ende

Die Sonderausstellung «Weltuntergang – Ende ohne Ende» versammelt Bilder, Funde und Erzählungen aus Wissenschaft und Kunst – zwischen Angst und Faszination.  Naturhistorisches Museum Bern , Bern 09.06.2020, 09.00
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Weltuntergang – Ende ohne Ende

Die Sonderausstellung «Weltuntergang – Ende ohne Ende» versammelt Bilder, Funde und Erzählungen aus Wissenschaft und Kunst – zwischen Angst und Faszination.  Naturhistorisches Museum Bern , Bern 10.06.2020, 09.00
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Die Sonderausstellung «Weltuntergang – Ende ohne Ende» versammelt Bilder, Funde und Erzählungen aus Wissenschaft und Kunst – zwischen Angst und Faszination.  Naturhistorisches Museum Bern , Bern 11.06.2020, 09.00
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