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Selbstporträt des Künstlers mit einem T-Shirt voller Geschichten. © Serdar Mutlu
Kulturpunkt im Progr, Bern

«Und er sagte: Zeichne!»

Der kurdische Künstler Serdar Mutlu zeigt Bilder im Kulturpunkt im Progr und an der Cantonale Berne Jura. Er lebt seit Juni 2017 als Asylsuchender in Bern.

Das Mädchen sah Serdar Mutlu an der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland. Auf einer Schmugglerinsel im Fluss stand es und blickte ihn an. Was es vorhabe, fragte er das Kind, das mit seinem Vater unterwegs war. «Ich gehe, um alles zu sehen», war die Antwort.

Der kurdische Künstler erzählt diese Anekdote auf die Frage, weshalb er die Menschen oft ohne Pupillen male. «Viele sehen nicht oder wollen nicht sehen.» Seine figurativen Bilder erinnern etwas an den surrealistischen Stil von Frida Kahlo. Kleine Strichmännchen symbolisieren Personen und Erlebnisse, die ihm etwas bedeuten. Das Foto des Mädchens und weitere seiner Werke werden an der Cantonale Berne Jura gezeigt. Zudem eröffnet er mit zwei ­Kolleginnen eine Ausstellung im Kulturpunkt im Progr, wo er einen Atelierplatz des Projekts Kreativ_Asyl belegt.

Die künstlerische Ader hat Mutlu vom Vater, einem Eisenplastiker. «Er gab mir einen Bleistift und sagte: Zeichne!» In der Türkei, wo Mutlu Bildende Kunst studierte und ein Kulturzentrum leitete, wurde er verfolgt, weil er sich für die Rechte der Kurden einsetzte. Seine Heimatstadt ist Mardin, nahe der syrischen Grenze. Er zeigt Fotos des zerstörten Hauses seiner Familie. «Du musst frei denken können, um Kunst zu machen», sagt er. Sein Gesicht, das von den Belastungen der letzten Monate gezeichnet ist, strahlt, als er erzählt: «Jemand hat mir ein GA für den Dezember geschenkt.» Damit hat er schon viele Museen besucht. Alles sehen.

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