mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
Den öffentlichen Raum bespielen und schützen: Das tut Singeisens Santa Corona. © Caroline Singeisen

Seuchenbringende Heilige

Die Bernerin Caroline Singeisen verlagert ihre Kunst nicht ins Digitale, sondern in den öffentlichen Raum. Um diesen zu schützen, wie sie sagt.

Sie trägt stets eine Krone auf dem Kopf, meistens noch eine in der Hand, zuweilen schmückt sie sich mit zwei Palmwedeln. In der Spätantike wurde sie als 16-Jährige qualvoll hingerichtet. In Vicenza, Italien, ist eine Kirche nach ihr benannt. Unglaublich, aber wahr: Die Schutzheilige gegen Seuchen und Geldnöte heisst Santa Corona.

«Unkörperliche Zeit»

Caroline Singeisen, Masterstudierende an der Hochschule der Künste Bern, stiess übers Internet auf diesen haarsträubenden Zufall, der in den Medien in Österreich oder Norditalien bereits für Aufsehen sorgte, während dieser Fakt bei uns noch weitgehend unbekannt ist. Das Thema beschäftigte Singeisen: «Ich fand es spannend, in dieser unfassbaren und unkörperlichen Zeit, eine Figur zu haben», so die Künstlerin.

Ausstellungsraum Plakatsäule

Zeichnerisch näherte sie sich der Schutzpatronin an. Mit den entstandenen Werken und Kopien originaler Abbildungen der Santa Corona bespielt sie eine aktuell leere Plakatsäule im öffentlichen Raum, namentlich jene an der Kreuzung Gesellschaftsstrasse/Hallerstrasse in der Länggasse. Offizielle Ausstellungsräume existieren bekanntermassen momentan nicht. Dass hier in Bern nicht viele wissen, um wen es sich bei dieser kronentragenden Frau handelt, sei für die Künstlerin nebensächlich: «Die Begegnung zwischen der Figur und den Bewohnerinnen und Bewohnern des Quartiers soll Fragen aufwerfen», sagt Singeisen. «Kunst verlagert sich momentan, wie vieles anderes, ins Digitale, physische Begegnungen werden rar.» Mit dem
Bespielen der Öffentlichkeit mit Zeichnungen und historischen Abbildungen der Heiligen will Singeisen den öffentlichen Raum, der normalerweise auch der Kunst gehört, schützen.

www.caroline-singeisen.ch

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden