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«20. Morgens Winterpalais (...)": Rilkes Gefährtin Lou Andreas-Salomé führte Reisetagebuch auf einem Goethekalender.© Lou Andreas-Salomé-Archiv, Göttingen
Schweizerische Nationalbibliothek, Bern / Strauhof, Zürich

Rilkes Erweckung

Die aufwändige Ausstellung «Rilke und Russland» über die prägenden Reisen des jungen Dichters überquert selbst Grenzen. Nächster Halt ist die Nationalbibliothek in Bern.

«Sensationell», «grossartig», «spektakulär». Die Feuilletons geizen nicht mit Superlativen, wenn sie von «Rilke und Russland» sprechen. Für das Forschungs- und Ausstellungsprojekt über die Ostreisen des böhmisch-deutschen Dichters Rainer Maria Rilke in den Jahren 1899 und 1900 haben Institutionen dreier Länder kooperiert: das Deutsche Literaturarchiv in Marbach, das Schweizerische Literaturarchiv, der Strauhof Zürich und das Staatliche Literaturmuseum der Russischen Föderation.

Jung und begeistert

Zu sehen sind rund 280 Exponate aus privaten und staatlichen Archiven. Viele der Briefe, Tagebücher, Dokumente, Fotos und Postkarten sind erstmals öffentlich zugänglich. Zeitgenössische Künstler spannen zudem den Bogen zu heute. Nach dem Auftakt in Marbach weilt die Wanderausstellung in zwei Teilen in Bern und Zürich, bevor sie nach Moskau gelangt.

Auf den beiden Reisen mit seiner Gefährtin Lou Andreas-Salomé hatte Rilke, damals Mitte 20, ein «poetisches Erweckungserlebnis». In den Schlägen von Kremlglocken glaubte er, «das Herz des Landes» schlagen zu hören. Seine imaginierte Heimat war die der grossen russischen Religionsphilosophen Lew Tolstoi und Fjodor Dostojewski.

Sehnsuchtsort

Moskau, Petersburg, Kiew, die Wolga waren anfangs des 20. Jahrhunderts Sehnsuchtsorte von industrialisierungsmüden Intellektuellen aus dem Westen. Sie stellten weniger Genusstouristen als Reisende dar, Entdecker anderer Kulturen und Lebenswelten. Zwei Schweizer Schriftsteller, deren literarische Anfänge ebenfalls in Russland liegen, sind Carl Spitteler und Blaise Cendrars. Ihre Zeugnisse ergänzen die Ausstellung in der Nationalbibliothek Bern.

Tolstoi, den Rilke besuchte, war eine Enttäuschung. Doch weder das noch die Politik des Zarenreichs oder der Sowjetunion konnten das idealisierte Russlandbild des Dichters, der seinerseits russische Literaten wie Boris Pasternak beeinflusste, erschüttern.

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