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Zumstein: ordnet gesammelte Begriffe.© Stefan Marthaler
Kunstraum Gepard 14, Liebefeld

«Mir gefällt es, aufs Glatteis zu führen»

«Schaltjahrhundert», «Serpentarium» oder «Forellenlandzunge»: Der Künstler und Slam-Poet Remo Zumstein spricht im Interview über erfundene Begriffe und sein Projekt «Die Ordnung der Dinge», das während seines Atelierstipendiums im Kunstraum Gepard 14 entstand.

Remo Zumstein, Sie haben für das Projekt «Die Ordnung der Dinge» auf grossformatigen Plakaten Begriffe – erfundene und wahre – geordnet. Wie kam es dazu?
Das brannte mir schon länger unter den Nägeln: dieses Phänomen, dass man etwas, das wissenschaftlich klingt oder aussieht, schnell glaubt. Ich habe daraufhin angefangen, im Familien- und Bekanntenkreis erfundene, aber glaubwürdige Begriffe im Alltag einzustreuen. Einmal war an einem Sonntag eine Idee für einen Familienausflug gefragt und ich schlug das Serpentarium in Schwarzenburg vor.

Ein erfundener Ort?
Ja, wir waren schon fast am Los­gehen, als meine Frau die Öffnungszeiten nachschaute und merkte, dass es diesen Ort gar nicht gibt. Das machte mir Spass und ich suchte in allen Lebensbereichen immer intensiver nach Dingen, von denen ich dachte, dass es schön wäre, wenn es sie gäbe. Mit der Zeit wird es zur Übungssache. Ich gehe so durch die Welt, habe angefangen, alles nach spannenden Wörtern zu filtern.

Und weshalb Plakate?
Früher sah ich einmal ein riesengrosses schematisches Plakat über Tonleitern und musiktheoretische Begriffe, das sehr komplex aussah. Beim Betrachten dachte ich, da könnte irgendetwas stehen und ich würde es glauben. Die Plakate sollen zeigen, wie trügerisch eine schematische Darstellung sein kann. Nur weil etwas aussieht wie aus einem Lehrbuch, muss es nicht wahr sein.

Ein Warnruf?
Ich sehe es eher als spielerischeren, unterhaltsamen Akt von Medienkritik.

Sie sind auch Slam-Poet. Wo sehen Sie Parallelen?
Bei der Sprachverliebtheit, der Fabulierfreude und den vielen kleinen Details. Mir gefällt auch dieses «Aufs-Glatteis-Führen», wenn ich mit einer Geschichte beginne und verwunderte Gesichter sich fragen, worauf das wohl hinausläuft, bis plötzlich dieser Moment der Erkenntnis kommt, in dem sich die Miene wieder aufhellt. Bei den Plakaten ist es ähnlich: Nachdem die bisherigen Testpersonen gemerkt hatten, worum es geht, wollten sie vor allem wissen, wie man auf so etwas kommt.

Wie geht es nun weiter mit den Plakaten?
Der Plan ist, im April oder Mai im Rahmen des jährlich im Kunstraum Gepard 14 stattfindenden Performancefestivals die Plakate auszustellen. Gerade die Reaktion der Menschen, wenn sie die Plakate lesen, ist sehr interessant und ich hoffe, dass sich noch weitere Ausstellungsmöglichkeiten ergeben.

Die Plakate werden zu gegebener Zeit im Kunstraum Gepard 14 präsentiert
www.remozumstein.ch

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