mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
Unverstellte Kunst: Das Amt für Ermöglichung übernimmt für 24 Tage das Kornhausforum.© Rob Lewis
Kornhausforum, Bern

Mäzene des Möglichen

Übernahme: Das Kornhausforum wird für 24 Tage zum Kulturlabor des Amts für Ermöglichung (AFE) – Kunstschaffende und Besucher*innen treten dabei in einen ergebnisoffenen Austausch über und mit Kunst.

Ein Dickicht aus Stühlen verstellt zurzeit den linken Foyerbereich des Kornhausforums – «Stuhlgang» heisst die Installation, eine Versinnbildlichung dessen, was das Amt für Ermöglichung, kurz AFE, eben nicht sein will: Eine Behörde, in der Ideen der Bürokratie zum Opfer fallen. «Aus Sicherheitsgründen müssen wir die Stühle wieder abräumen, da sie Fluchtwege versperren», erklärt Künstler Till Könneker, Gründer des ungewöhnlichen Amtes, das Kunstschaffende auf niederschwellige Art und Weise unterstützt: mit Geld, Kooperationen, aber auch mit der Schaffung von Raum. So übernimmt das noch junge, im Frühjahr geschaffene AFE für gut drei Wochen das Kornhausforum. Es sei ein «friendly takeover», stellt Könneker klar, «wir wurden vom Kornhausforum eingeladen.»

 

Türvorleger und Haarwirrwarr

Rund 20 Kunstprojekte werden in der Zeit in dem öffentlichen Raum, der sonst leer stünde, entstehen, vor den Augen und mit der Beteiligung der Besucher*innen. Gelbschwarze Absperrbänder umhüllen das Kornhaus, um von aussen auf die Aktion aufmerksam zu machen. «Alle sind eingeladen zu diesem Work in Progress.» Der Eintritt ist frei, eine Kollekte willkommen.

Noch ist der Raum fast leer, eine kleine Bühne mit einem Boxsack steht in der Mitte, Markierungen für die Türvorlegerinstallation «Home Gate» von San Keller stehen schon. Wer mag, kann mit dem international erfolgreichen Berner Künstler auch einen Spaziergang zu ehemaligen Wohnorten unternehmen, Perkussionskünstler Julian Sartorius bespielt den Raum, Studierende der HKB Bern entwerfen eine handgeschriebene, durch und durch analoge «Zeitung der Zukunft», die kurdische Performancekünstlerin Zoya Mahallati wiederum wird ihre schmerzhaften Fluchterfahrungen künstlerisch verarbeiten. Coiffeur Pino Zinna schneidet Besucher*innen vor Ort Haare, die sich auf einem schwarzen Teppich nach und nach zu einem kunstvollen Gewirr fügen.

Der Mix ist bunt, Etablierte haben ebenso Raum wie Newcomer*innen und Kunstschaffende in prekären Lebenssituationen.

Könneker und sein Team, zu dem unter anderem auch die Journalistin Sarah Sartorius, die angehende Kulturmanagerin Sandra Dalto, Galerist Fabian Schmid und Fotograf Rob Lewis gehören, wollen Kunst für alle zugänglich machen. «Sie soll auf Augenhöhe stattfinden.»

Das Geld dazu bezieht das Amt unter anderem von Könneker selbst, und den Mäzen*innen, die beim Amt ein Kulturtassen-Abo mit erschwinglichen monatlichen Beiträgen lösen: «Wir sind ein bisschen wie Netflix, oder ein Hilfswerk für Kultur. Jede und jeder kann Kunstförderer*in sein. Kunst soll demokratisch entstehen und unbürokratisch sein.» Doch nimmt das AFE mit diesem privaten Förderwesen nicht eben die öffentliche Hand aus der Pflicht? Könneker widerspricht: Er sieht das Projekt nicht als Ersatz für öffentliche Kunstförderung, sondern als Ergänzung.

200 Zeichen genügen

«Wir funktionieren einfacher. 200 Zeichen genügen, um bei uns einen Antrag auf Förderung zu stellen. Ein Amt für Kultur hat andere bürokratische Prozesse, ist ergebnisorientiert, muss nachweisen, dass die Projekte die es fördert, erfolgreich sind.» Das AFE hingegen könne Kunstschaffende im kreativen Prozess begleiten, wenn noch alles im Vagen sei, «die wichtigste Phase der Kunst überhaupt. Hier springen wir in eine Bresche.»

Entsprechend enttäuscht ist Könneker, dass das Stadtberner Amt für Kultur das AFE bisher nicht unterstützt. Die Gründe dafür? Darüber könne er nur spekulieren: «Ich bin ein künstlerischer Borderliner. Es fällt schwer, mich und das Amt für Kultur einzuordnen. Vielleicht muss es die Arbeit des AFE erst kennenlernen.»

Gelegenheit dazu gibt es nun für alle. Was die Besucher*innen erwartet, wissen auch Könneker und sein Team noch nicht. «Das Ganze ist Trial and Error. Genau das ist das Spannende daran.»

www.amt-fuer-ermoeglichung.ch

Events zu diesem Artikel

Keine Veranstaltungen

Folgen Sie uns

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden