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Rahima Gambo erarbeitete das Projekt mit Schülerinnen im Norden Nigerias.© Courtesy of the Artist and Stevenson, Johannesburg
Kunsthalle Bern

Kunst als Spielanordnung

Die Kunsthalle zeigt eine multimediale Schau der Künstlerin Rahima Gambo, die in «Bird Sound Orientations²» partizipative Möglichkeiten der Dokumentation erforscht.

Schüler*innen begeben sich aus dem Klassenzimmer hinaus in einen dichten Wald. Aus dem Off spricht eine Stimme: «Activity twenty-five / Looking into a mirror / Can you see the mirror in the picture / Question mark / What can you see in the mirrors?» Die Sequenz entspringt einer Filmszene der Arbeit «Tatsuniya», einem vielschichtigen, multimedialen Projekt der nigerianischen Künstlerin Rahima Gambo.

Mit surrealen Sprachsequenzen und traumähnlichen Szenen verdichtet sie Ton, Bild und Bewegtbild zu einer nicht-linearen Erzählung über die Erfahrungen von Schüler*innen, die im Nordosten Nigerias zur Schule gehen. «Tatsuniya» bedeutet auf Hausa Geschichte, Märchen oder Rätsel.

Für ihre multimedialen Geschichten verwebt Gambo Inszenierungen von Kinderspielen, Poesie, aber auch Darstellungen von Übungen, die sie in einem Sportbuch für Sekundarschüler fand.

Dokumentationshoheit verhindern

«Tatsuniya» sei, so die Künstlerin, in Abgrenzung an ihre frühere Arbeit «Education is Forbidden» (2015- 2016) ein eher ergebnisoffenes Projekt. In letzterem befasste sie sich mit den Folgen des Terrors, den die Gruppierung Boko Haram verbreitet, sowie mit den Konsequenzen der kolonialen Erziehung im Nordosten Nigerias. «Tatsuniya» hingegen erforsche partizipative Formen der Foto- und Filmdokumentation. Im Zentrum stünden die Handlungsfähigkeit, das Spiel und die Zusammengehörigkeit der Schüler*innen. So entstanden einige Sequenzen der Arbeit in einem Storytelling-Workshop», den die Künstlerin mit den Studierenden der Shehu Sanda Kyarimi School abhielt.

Dritte Räume erschaffen

Gambo, die in London geboren wurde und heute in Abuja lebt, kam über den Fotojournalismus und über medienübergreifende Dokumentarprojekte zu ihrer jetzigen künstlerischen Arbeit. Sie verwendet die Techniken des Dokumentarfilms und erweitert diese durch Zeichnungen, Skulpturen, Installationen und Sound.

Sie arbeite weniger über das Sehen, «mehr über das Fühlen zwischen den Objekten, um einen dritten Raum zu schaffen», wie sie selber sagt. Dieser dritte Raum bezeichne ein alternatives Territorium, welches sich der Sichtbarkeit der Kamera entziehe.

In der Kunsthalle präsentiert Gambo ihre erste Einzelausstellung in der Schweiz unter dem Titel «Bird Sound Orientations²». Sie erstreckt sich über beide Etagen des Hauses und zeigt auch «Tatsuniya» in neuer Form. Im Vorfeld findet ausserdem ein von der Künstlerin geleiteter Workshop statt. Die Ergebnisse sowie selbst gedrehte Handy-Videos werden ebenfalls in die Schau verwoben.

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