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«Rise/Ibis» entstanden in der «Kunstversuchsanstalt» Casita.© Olivia Notaro/Joseph Johnson
Casita, Bern

Künstlerische Brutstätte

Olivia Notaro und Joseph Johnson haben sich in der Casita, «Berns kleinstem Hotel», eingenistet. Die beiden Kunstschaffenden lassen vor Ort eine Gesamtinstallation entstehen und experimentieren, was das Zeug hält.

Es riecht nach Ölfarbe und Kaffee im «kleinsten Hotel Berns», der Casita am Schwalbenweg im Länggassquartier. Die Berner Künstlerin Olivia Notaro hat hier während zwei Wochen ihre «Kunstversuchsanstalt» eingerichtet. Ein fortlaufendes Projekt, das zum ersten Mal 2013 im Kunstraum Gepard 14 stattfand. Es geht dabei um den Austausch mit anderen Künstlerinnen und Künstlern und um ein ortsspezifisches Schaffen.

In die Casita hat sie nun den in London lebenden Australier Joseph Johnson eingeladen. Notaro hat eine Serie mit barocken Tapeten mitgebracht, in denen sich verschiedene Vögel verstecken. «Das musste sein, schliesslich sind wir am Schwalbenweg», sagt die Künstlerin. Ihren Gast aus London bezeichnet sie liebevoll als «Zugvogel». Auch dieser hat Tierisches zu bieten. Seine kleinformatigen Ölgemälde, die er nach Bern mitgebracht hat, ergeben ein ganzes Bestiarium. Ein Löwe, ein Wildschwein oder eine Fledermaus hat er in altmeisterlichem Stil auf Leinwand gebannt. Seine «Grasbilder», wie er sie nennt, sind grossformatiger. Es sind menschenleere, mit grosser Präzision gemalte Fantasielandschaften.

Tee gegen geschwollene Augen

Notaro, die ausgebildete Trompe- l’Œil-Malerin ist, hat in der Vergangenheit bestehende Bilder übermalt oder ergänzt. Wird sie in Johnsons Malerei intervenieren? Sie winkt ab. Es gehe nicht darum, am selben Bild zu arbeiten, sondern voneinander inspiriert Neues zu schaffen. Mit einer Ausnahme: Notaro wird Johnsons Porträt des angeblich ersten Atheisten um eine Brosche auf dessen Mantel ergänzen. Wer die bisherigen Arbeiten der Künstlerin kennt, weiss, wie virtuos sie Schmuck darzustellen vermag.

Dass die Versuchsanstalt auch ein «ArtLab», also ein Labor, ist, wird deutlich, wenn die beiden begeistert von ihrem skurrilen Teebeutel-Experiment erzählen. Sie trinken jeden Morgen eine andere Sorte Earl Grey und haben nun ein Archiv mit verschiedenen Kriterien erschaffen. Welcher Beutel hilft gegen geschwollene Augen, mit welcher Sorte lässt es sich am besten malen? Bis zur Eröffnung wird hier wohl noch manches ausgebrütet. Die beiden wollen das ganze Haus inklusive Terrasse bespielen.

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