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Collage, entstanden im Rahmen einer Schulung die die Fellows an der HKB gegeben haben.© ZVG
Grand Palais, Bern

Künstler, Mieter, Aktivist?

An der internationalen Sommerakademie Paul Klee beschäftigten sich acht Kunstschaffende während zweier Jahre mit der Gentrifizierung. Und fragten sich, welche Rolle sie selbst dabei spielen. Zum Abschluss des Projekts präsentieren sie eine Webseite. Mit Gentrifizierung ist der sozioökonomische Strukturwandel städtischer Viertel durch Attraktivitätssteigerung gemeint. Zahlungskräftige Eigentümer verdrängen Mieterinnen und Mieter. So weit, so bekannt. Doch welche Rollen spielen eigentlich Kunstschaffende dabei?

Diese Frage hat sich Tirdad Zolghadr, der Kurator und Leiter der seit 2017 nur noch zweimal pro Jahr statt jährlich stattfindenden Sommerakademie Paul Klee, gestellt. Acht Kunstschaffende – die sogenannten Fellows – aus Belgien, Brasilien, Deutschland, Grossbritan­nien, dem Libanon, den USA und der Schweiz haben unter dem Motto
«Realty» geforscht, wie die Gegenwartskunst zur Gentrifizierung beiträgt und dabei nach Gegenstrategien gesucht. In New York oder Los Angeles gebe es mittlerweile regelrechte Aktivisten unter den Künstlerinnen und Künstlern, die lieber auf einen günstigen Atelierplatz verzichten würden, als günstigen Wohnraum zu gefährden, erklärt Hannah Rocchi, Geschäftsstellenleiterin der Sommerakademie. Auch der Kurator der Akademie, Tirdad Zolghadr, betont die wichtige Selbstwahrnehmung von Künstlern innerhalb der Gentrifizierung: «In diesem Prozess spielt die Gegenwartskunst oftmals eine aktive Rolle. Und sie wird von diesem Wechselspiel ihrerseits immer mehr geprägt.

Realpolitisches Aktionsmodell

Die acht Fellows haben während der insgesamt sechs in Bern verbrachten Wochen ein Kollektiv gebildet und gemeinsam die Webseite BLOCC (Building Leverage Over Creative Capitalism) erarbeitet. Im Grand Palais wird der öffentliche Weblaunch gefeiert. Dabei wird ein Lernsystem präsentiert, bei dem es um Anti-Gentrifizierung-Strategien geht.

Warum dieses Engagement? Die Fellows antworten per Mail als Kollektiv. Ihr Projekt habe das Ziel, das Feld der zeitgenössischen Kunst kritisch unter die Lupe zu nehmen. BLOCC schliesse nebst Künstlern auch Geografen, Sozialarbeiter, Filmemacher, Designer und Lehrpersonen mit ein. BLOCC ist laut Zolghadr ein realpolitisches Aktionsmodell.

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