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Regula Schorta ist Direktorin der Abbeg-Stiftung in Riggisberg. © ZVG
Abbeg-Stiftung, Riggisberg

«Ich liebe alles Knifflige»

Regula Schorta, Direktorin der Abegg-Stiftung in Riggisberg, liebt hochmittel­alterliche Stoffe und die damit verbundene Webtechnologie. Einen Stoff zu analysieren sei vergleichbar mit dem Lösen eines Puzzles, sagt sie im Gespräch.

Zurzeit ist es ein kleines Käppchen, das die Besucherinnen und Besucher nach Riggisberg in die Abegg-Stiftung lockt. Es handelt sich nicht um irgendeine Haube, sondern um die Nonnenkrone der Mystikerin Hildegard von Bingen (1098–1179), die prominent im Museum der Abegg-Stiftung platziert ist. Mit Gold und Silberfäden bestickte Medaillons zieren das kostbare Stück. Regula Schorta, Direktorin der Abegg-Stiftung spricht von einem «Highlight». Lange tappte man über die Provenienz des Käppchens im Dunkeln. Die Abegg-Stiftung, die sich dem Sammeln, Erhalten und Erforschen von historischen Textilien widmet, konnte das geheimnisvolle Stück vor 20 Jahren erwerben. Evelin Wetter, die in der Abegg-Stiftung für Stickereien zuständige Wissenschaftlerin, konnte die Haube schliesslich ein- und zuordnen. Eine neue Monografie wurde dazu publiziert.

 

Objekte im Mittelpunkt

«Ich liebe alles Knifflige», sagt Regula Schorta, die selbst einst die Ausbildung zur Restauratorin in der Abegg-Stiftung absolvierte. Bei der Textilanalyse müsse man ähnlich wie beim Lösen eines Puzzles vorgehen, da einem oft nur Fragmente zur Verfügung stehen würden. Die 1961 in Zürich geborene Wahlbernerin begann die Ausbildung gleich nach der Matura. «Ich war total fasziniert und es war für mich bald klar, dass ich im Anschluss Kunstgeschichte und Geschichte studieren will.» Sie promovierte schliesslich über einfarbige, hochmittelalterliche Seidengewebe. «Man kann diese Textilien zeitlich und webtechnisch klar abgrenzen und hat so einen guten Überblick», so Schorta. Die Gewebe wurden in Byzanz und später in Spanien hergestellt. Spanien steht auch im Fokus der aktuellen Sonderausstellung «Arabische Weber – Christliche Könige», die das gegenseitige Einflussnehmen zwischen Orient und Okzident aufzeigt. Das Mittelalter gefalle ihr, weil hier nicht das Personale im Vordergrund stünde. Nicht die meist anonym bleibenden Künstlerinnen und Künstler, sondern die Objekte selbst, deren Provenienzen oft komplex seien, gelte es zu ergründen.

Preis der Burgergemeinde

Sie habe sich immer auch fürs Handarbeiten und für Webtechnologie interessiert, sagt Schorta. 1994 wurde sie Leiterin der Textilrestaurie­rungsabteilung und 2002 schliesslich Direktorin der Stiftung. Den Entscheid, diese Position anzunehmen, sei langsam gewachsen. Sie habe nie vorgehabt, alles anders zu machen als ihr Vorgänger, Hans Christoph Ackermann. Vielmehr habe sie auf ihre eigene Art das bereits Vorhandene weiterführen wollen. Fast 60 Personen arbeiten für die Abegg-Stiftung, darunter sind 40 Vollzeitstellen, inklusive Studierende und Textilrestauratorinnen. Es sei ihr wichtig, offen und zugänglich zu kommunizieren und ihren Mitarbeitenden gut zuzuhören, so Schorta über ihren Führungsstil. «Ich bereite die Basis vor, sodass alle ihre Arbeit leisten können.» Dabei habe sie nicht immer so viel Zeit, alles zu lesen, was sie möchte. «Das wissenschaftliche Arbeiten kommt manchmal zu kurz».

Die Stifter Werner und Margaret Abegg kannte Schorta noch persönlich. Werner Abegg sei sehr offen gewesen und habe sich für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter interessiert. «Er feierte mit, wenn im Atelier ein Durchbruch punkto Forschung oder Restaurierung gelang.» Seine Frau habe nicht im Vordergrund stehen wollen und sei erst nach dem Tod von Werner Abegg nach aussen hin aufgetreten. «Beide waren auch im Geiste grosszügig und wollten, dass die Stiftung sich nach ihrem Tod weiterentwickelt», fasst Schorta die Haltung der Stifter zusammen. 2016 wurde die Abegg-Stiftung mit dem mit 100 000 Franken dotierten Kulturpreis der Burgergemeinde Bern ausgezeichnet. «Das war eine grosse Anerkennung, die uns sehr gefreut hat.» Mit dem Geld wurde ein Fonds eingerichtet, der Nachwuchsforscherinnen- und forschern zugute kommt. Es soll schliesslich auch in Zukunft getüftelt werden.

www.abegg-stiftung.ch

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