mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
Bilder mit ungewisser Herkunft: «Zandvoort Strandcafé» (1934) von Max Beckmann. © Kunstmuseum Bern und Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH
Kunstmuseum Bern

Gurlitts Verstrickungen

Das Kunstmuseum Bern präsentiert mit der Ausstellung «Der NS-Kunstraub und die Folgen» den zweiten Teil der «Bestandsaufnahme Gurlitt». Anhand von rund 300 Werken wird Hildebrand Gurlitts Rolle als Kunsthändler beleuchtet.

 

Auf einen Schlag blickte die ganze Kunstwelt nach Bern. So geschehen am 7. Mai 2014, als bekannt wurde, dass Cornelius Gurlitt (1932–2014) das Kunstmuseum Bern als Alleinerbin seiner Sammlung bestimmt hatte. Nicht irgendeine Sammlung, sondern eine, die Gurlitts Vater, der 1956 verstorbene Kunsthändler Hildebrand Gurlitt während des Nationalsozialismus zusammengetragen hatte. Es handelt sich um rund 1500 Werke zweifelhafter Herkunft.

Das Kunstmuseum ist sich der grossen Verantwortung des Erbes bewusst, betreibt intensiv Provenienzforschung und präsentiert die Werke unter dem Motto «Bestandsaufnahme Gurlitt» im historischen Kontext. Nach «Entartete Kunst – Beschlagnahmt und verkauft» folgt nun mit der Ausstellung «Der NS-Kunstraub und die Folgen» der zweite Teil.

Zweifelhafte Erwerbungsumstände

Anhand von rund 130 Werken taucht man in Hildebrand Gurlitts Kapitel der Kunstgeschichte ein. Die Leiterin der Provenienzforschung Nikola Doll hat nun die Ausstellung, die zuvor in der Bundeskunsthalle in Bonn gezeigt wurde, erweitert. Weniger die Biografie Gurlitts, sondern dessen Handeln mit Kunst sowie die Erwerbungsumstände einzelner Werke stünden in Bern im Fokus, so Doll. Saaltexte erörtern die Verstrickungen Gurlitts, der während des Nationalsozialismus einerseits den Auftrag hatte, die moderne, von den Nazis als «entartet» diffamierte Kunst ins Ausland zu verkaufen, und andererseits, das geplante Hitlermuseum in Linz zu bestücken. Man erfährt, was für Deals und Tauschgeschäfte der Kunsthistoriker im besetzten Frankreich während einer Zeit machte, in der Juden und andere verfolgte Bevölkerungsgruppen systematisch enteignet wurden. Am Beispiel eines Gemäldes, das einst dem Widerstandskämpfer Georges Mandel gehörte, wird auch dem Thema der Restitution Raum gegeben.

In Bern sind Bilder von Otto Dix, Max Beckmann oder Max Liebermann als typische Vertreter der «entarteten» Kunst zu sehen. Doch Hildebrand Gurlitt hatte auch ältere Meister gesammelt, wie Cranach oder Courbet. Gustave Courbets «Dorfmädchen mit Ziege» etwa steht weiterhin unter Raubkunstverdacht. Die Forschung läuft.

Events zu diesem Artikel

Keine Veranstaltungen

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden