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Die Fotografin Ursula Böckler hielt in «Magical Misery Tour» die Reise des Künstlers Martin Kippenberger nach Brasilien fest.© Ursula Böckler
Kunsthalle Bern

Gelebter Widerspruch

In der Kunsthalle Bern stellen in «No Dandy, No Fun» über 30 Künstlerinnen und Künstler aus, die die Wandlungen des Begriffs «Dandy» von der Vergangenheit bis in die Gegenwart nachzeichnen.

Veranstaltungsdaten

SA 17.10.2020 11.00 - 06.12.2020

Im Foyer der Kunsthalle Bern empfängt die britische Schriftstellerin Virginia Woolf die Besuchenden der Gruppenausstellung «No Dandy, No Fun», die von Hans-Christian Dany und Valérie Knoll kuratiert wird. In einer von BBC aufgezeichneten Radiosendung von 1929 liest Woolf einen Text über Beau Brummell, dem die Begründung des Dandytums zugeschrieben wird. Mit seiner Auflösung der eindeutigen Unterscheidung sozialer Herkunft durch Kleidung hat der Ur-Dandy die Kunstfigur stark mitgeprägt.

Zwischen Oberfläche und Tiefe

Über 30 Künstlerinnen und Künstler zeichnen in der Gruppenausstellung die Entwicklungsgeschichte des Dandytums nach. Im Wechselspiel der beiden Antithesen Oberflächlichkeit und Tiefe zeigen sie Ansätze auf, wie der Begriff des Dandy durch die Ausstellenden weitergedacht werden kann, mit offeneren und gegenwartsbezogenen Interpretationen.

Zu sehen ist auch die Installation des Künstlertrios Kévin Blinderman, Pierre-Alexandre Mateos und Charles Teyssou über das Lebenswerk von Jacques de Bascher, den verstorbenen Lebensgefährten Karl Lagerfelds. Anhand von Dokumenten und Gegenständen zeichnet das Trio das Leben und die Figur des französischen Dandys nach.

Unterwegs mit einem Dandy

Gezeigt wird auch Ursula Böcklers Fotoserie «Magical Misery Tour», in welcher sie die Reisen des verstorbenen Künstlers Martin Kippenberger durch Brasilien festhielt und damit eine dandyhafte Figur porträtierte, die mit ihrem Auftreten und ihrer Kunst zu provozieren wusste. So zum Beispiel, als Kippenberger in Brasilien eine Tankstelle nach einem ranghohen Nationalsozialisten benannte, der sich nach Südamerika abgesetzt hatte.

Mehr auf den Aspekt der äusserlichen Verwandlung zielt die Installation «Palette of Shadows» der Schweizer Künstlerin Sylvie Fleury ab. Mit stark vergrösserten Puderdosen bewegt sie sich im Widerspruch der Verwandlung. Äusserlichkeiten dienen beim Dandytum zwar oft dazu, aufzufallen, aber auch, um die soziale Herkunft zu verdecken oder neu zu definieren.

Durch die breite Palette an impliziten und expliziteren Auseinandersetzungen mit dem Konzept des Dandytums denkt die Ausstellung in der Kunsthalle den Begriff in einem zeitgenössischen Kontext weiter. Sie löst sich vom Bild des flanierenden Grossstadtspaziergängers und begreift die Figur des Dandys als weit mehr als eine grossbürgerliche, arrogante Atti­tüde, die als Protesthaltung gegen die von der Industrialisierung angetrieben Arbeitsstellung verstanden werden kann.

Events zu diesem Artikel

Ausstellungen

No Dandy, No Fun

Kuratiert von Hans-Christian Dany und Valérie Knoll  Kunsthalle Bern, Bern 17.10.2020, 11.00

Dauerveranstaltungen

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