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Weil nicht alles immer geradegebogen werden muss: Künstler Christoph Rütimann mag das Spiel mit der schiefen Ebene.© S. Hasenböhler
Abteikirche, Bellelay

Die Kirche als Zwiebel

Schicht um Schicht wird Kunst an den Bau der Abteikirche Bellelay getragen. 
Heuer tut dies der bildende Künstler Christoph Rütimann mit einer schiefen Ebene, einer Holzkugel-Installation und Hinterglasmalerei.

«Das verheimliche ich nicht: Viele Besuchende sind erst mal entsetzt, wenn sie im ehemals sakralen Raum auf zeitgenössische Kunst treffen», sagt Marina Porobic. Sie kuratiert die jährliche Ausstellung in der Abteikirche Bellelay im Berner Jura. 

Die Barockkirche wurde bereits in der französischen Revolution entweiht und musste seither schon als Brauerei, Stall oder Materiallager herhalten.1960 wurde der Sakralbau zum Ausstellungsraum, seit 12 Jahren setzt sich das Haus explizit mit Ort und Architektur auseinander. 

Kunstschaffende wie Renate Buser, das Haus am Gern oder Julia Steiner haben die Räumlichkeiten mit Kunst, Installationen, Performances und Musik gefüllt. «Die vielfältige Nutzung der Kirche macht sie für mich zur Zwiebel», sagt Porobic, «jeder Künstler, jede Künstlerin, die hier ausstellt, fügt eine Schicht hinzu und schreibt an der Geschichte weiter.»

Eine neue Kunstschicht

Dieses Jahr ist der Schweizer Künstler Christoph Rütimann zuständig für eine neue Schicht. Rütimann hat schon in den 90er-Jahren mit einer spannenden Raumstudie experimentiert: In «Hängen am Museum» beging er an einem Kletterseil die Aussen-fassade des Luzerner Museums und thema-tisierte so die Abhängigkeitsbeziehung zwischen Institution und Künstler. In Bellelay nun spielt Rütimann mit der Raumperspektive, indem er eine um 15 Grad geneigte Ebene aus Gips in den Kirchenraum eingebaut hat – und mit der Performance «Eine Einigelung». 

Dabei begibt er sich ins Innere einer selbst gebauten Holzkugel und lässt sich so durch die Schweiz rollen. An der Eröffnungsperformance der Ausstellung kommt diese Kugel zum Einsatz.

Kommentar in Rapsgelb

Ein drittes Element, mit dem der Künstler in Bellelay gearbeitet hat, ist die Hinterglasmalerei mit seiner Lieblingsfarbe, Rapsgelb. Die Technik, die eine Umkehrung der Bildherstellung verlangt, ist sein Kommentar zur kirchlichen Glasmalerei.

Abteikirche, Bellelay
Eröffnung: Sa., 19.6., 11 bis 17 Uhr
Performance: Sa., 19.6., 14 Uhr
Artist Talk mit Stephan Berg: 
29.8., 15 Uhr
www.abbatialebellelay.ch

 

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