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Polizei en miniature: «Polizei.Sammlung.1.0» von Mayo Irion.© Mayo Irion
Klosterkirche Abbatiale de Bellelay

«Die Collage generiert einen Überdruss»

Marina Porobic hat für die Klosterkirche Bellelay im Berner Jura die Ausstellung «And The Music Never Stops» kuratiert, die sich der Videokunst in Verbindung mit Klang widmet.

 

Marina Porobic, ich war noch nie in Bellelay. Wie ist es dort?
Bellelay ist ein wunderbares kleines Dorf am Fusse des Juras. Es ist ein herausfordernder Ort, der über das Auge funktioniert. Man muss ihn erleben können. Dort liegt auch die barocke Klosterkirche; überwältigend, ganz in Weiss gehalten. Das Gebäude besticht durch pure Architektur und massive Ornamentik. Die Naturelemente auf den Säulen sind prachtvoll und dicht gestaltet. In der Kirche arbeiten wir nur mit natürlichem Licht und ohne Heizung, weshalb wir nur im Sommer veranstalten können. Bereits ab Oktober wird es im Gebäude sehr kalt. Vielleicht noch interessant zu wissen: Die Prämonstratenser, der Orden, der im Kloster gelebt hat, hat den Tête-de-Moine-Käse erfunden. In der Abtei ist heute eine psychiatrische Klinik untergebracht.

In der Kirche finden nun Konzerte und ein Klang- und Bildparcours statt?
Genau. Jedoch hat das Haus sowieso bereits eine lange Kulturtradition. In den 60er-Jahren hat der damalige Klinikdirektor und Kunstliebhaber Jean-Jacques Fehr angefangen, zeitgenössische Kunst auszustellen.

Das Ganzjahresprogramm in Bellelay ist der Musik gewidmet. Sie machen dazu eine Ausstellung in Form eines Rundgangs, der 90 Minuten dauert.
Bis zu diesem Jahr wurde jährlich eine Ausstellung in der Klosterkirche organisiert. Dabei ging es immer darum, Werke entstehen zu lassen, die sich explizit mit dem Ort auseinandersetzen. Dieses Jahr habe ich gedacht, dass es schön wäre, eine kleinere Ausstellung der Videokunst zu widmen. Weil ich schon einige Male mit der Zofinger Videocompany zusammengearbeitet habe, ist mir aufgefallen, was für ein spannendes Netzwerk sie pflegen und dass sie den Ort gut kennen und mögen. So habe ich sie mit ins Boot geholt, um zusätzlich zum Klang auch mit bewegten Bildern zu arbeiten. Das Motto lautet «And The Music Never Stops – Follow The Sound» und ist ein augenzwinkernder Hinweis auf den Song «The Music Never Stopped» der Band The Grateful Dead.

Welche Arbeiten haben Sie ausgewählt?
Da ist zum Beispiel «We Buy Gold and Diamond» aus dem Jahr 2014, ein Werk der in Zürich lebenden Elodie Pong. Sie hat damit eine Hommage an die vielseitige Dada-Künstlerin Baroness Elsa von Freytag-Loringhoven geschaffen. Oder die Videoarbeit von Mayo Irion, einem Zürcher Künstler, der im Berner Schwobhaus arbeitet. Wir zeigen von ihm «Polizei.Sammlung.1.0», in der er Spielzeugautos animiert, die er auf Flohmärkten gekauft hat. Dabei handelt es sich um eine Aneinanderreihung von Bildern, die mit Sounds von DJ Cut Killer untermalt wird. Die ganze Collage generiert so etwas wie einen Überdruss, einen Zustand, mit dem Irion bewusst spielt.

Wie verbinden Sie die Ausstellung mit den zusätzlich stattfindenden Konzerten?
Mein Ziel war es, eine Ausstellung zu gestalten, die parallel zu dem von Julien Annoni konzipierten Konzertprogramm stattfinden kann. Meinerseits organisiere ich dazu noch ein Pique-Nique mit einem Konzert vom Duo Archetti / Neumeier, das in den 80er-Jahren als Tiere der Nacht unterwegs war und experimentelle Live-Elektronik spielt.

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