Archiv
Ominös: «Kept inside» ( 2017) von Manuel Burgener.© Annik Wetter
Kunsthalle Bern

Der Raum macht Kunst

Die Sammelausstellung «Die Zelle» in der Kunsthalle Bern knüpft an Brian O'Dohertys prägende Kunsttheorie des «White Cube» an.

Der irische Künstler und Kunstkritiker Brian O'Doherty sorgte zwischen 1976 und 1981 mit vier Essays für Aufruhr in der Galerie- und Museumswelt. Das Weiss, das damals Einzug in die Ausstellungsräume für zeitgenössische Kunst gehalten hatte, beschrieb er als geschützten Raum und vermeintlich neutralen Ort für Kunst. Eigentlich sei der ikonische Raum und weniger die Kunst darin das wirklich Zeitgenössische.

Der Titel der neuen Ausstellung «Die Zelle» in der Kunsthalle Bern bezieht sich auf die Essays, die als Buch «Inside the White Cube: The Ideology of the Gallery Space» («In der weissen Zelle») erschienen sind. Die Kunsthalle wurde 1918 eröffnet, lange vor diesem Standardwerk in der Kunstwahrnehmung. Art-déco-Eleganz aussen, bourgeoise Wohnlichkeit innen, schien sie noch halb im 19. Jahrhundert zu stecken.

Wer beeinflusst wen?

Mehrere der Künstlerinnen und Künstler haben O'Dohertys Kritik erhört und verbinden nun Innen- und Aussenraum miteinander, etwa Cosima von Bonin, die Aussenarchitektur drinnen verwendet. Viele Objekte verlieren im Kunstraum ihren ursprünglichen Nutzen, zum Beispiel Wickel­tische (Nicole Wermers) oder ein Beichtstuhl (Marc Camille Chaimowicz). Der Burgdorfer Künstler Manuel Burgener setzt einem eine grosse eckige Installation aus Metall und Kabeln vor die Nase, bei der man nicht sicher ist, ob sie ein Eigenleben entfaltet. Oder ist es der Raum, der sie verändert?

Events zu diesem Artikel

Keine Veranstaltungen

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden