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Liebevolle Umarmung oder trauriger Abschied? «Am Strand» (2016). © Miriam Cahn / Private Collection 
Kunstmuseum Bern

Der durchdringende Blick

Distanzlosigkeit als Konzept: Im Kunstmuseum Bern ist mit «Miriam Cahn – Ich als Mensch» eine Werkschau der unbändigen Basler Künstlerin zu sehen. Miriam Cahn hängte ihre Bilder an der Documenta 14 im vorletzten Jahr auf Augenhöhe. So, dass die Besucherinnen und Besucher direkt in die Augen der Porträtierten schauen mussten. Distanzlosigkeit ist ein wichtiges Thema der 1949 in Basel geborenen, eigensinnigen Künstlerin. Ihre Bilder hängt sie wenn immer möglich selbst. Das Kunstmuseum Bern widmet ihr nun die Werkschau «Miriam Cahn – Ich als Mensch». Videos, grossformatige Kreidezeichnungen, Skulpturen und Ölgemälde hat die Künstlerin in Bern als raumgreifende Installation angeordnet.

Ihren expressiven Bildern haftet etwas Unheimliches an: Eine Mutter, die ihr Kind wie einen leblosen Körper an sich drückt, eine Frau mit entblössten Brüsten und irrem Lächeln, eine de­formierte Familie oder eine Faust, die zuschlägt.

«Ich werde Picasso!»

Das Leben meinte es nicht immer gut mit Miriam Cahn, die heute abgelegen in den Schweizer Bergen lebt. Ihre Mutter war depressiv, ihre Schwester beging Suizid und sie selber musste früh lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Gerettet hat sie augenscheinlich die Auseinandersetzung mit der Kunst. Dass eine Wut im Bauch sie antreibt und ihre Sturheit ihr manchmal im Weg steht, ist aus ihren Tagebucheinträgen und Briefwechseln herauszuhören, die zur Ausstellung als Buch mit dem Titel «Das zornige Schreiben» erscheinen.

Die Selbstbehauptung als Frau zieht sich dabei wie ein roter Faden durch ihre Texte und oft politisch motivierten Werke. In einem Interview mit der «Zeit» sagte sie kürzlich, als Jugendliche habe sie beschlossen: «Ich werde Picasso! Und nicht Paula Modersohn-Becker, sonst ist da so ein weiblicher Kompromiss drin.»

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