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Wenn Klang zum Lauf der Sonne erklingt und verstummt.© Serge Hasenböhler
Abteikirche Bellelay

Der Dialog des Lichts

Subtil und dennoch enorm kraftvoll arbeitet die Zürcher Künstlerin Zilla Leutenegger mit Sonnenlicht gesteuerten Pianos und Spiegelgemälden. «L’ouest ou l’est» ist in der monumentalen Abteikirche Bellelay ausgestellt. Ein atemberaubend schöner Garten, dessen Mitte ein kleines Biotop mit einem Springbrunnen und Gold­fischen ziert, säumt das monumentale Steingebäude. Die crème­farbene Abteikirche Bellelay, im Barockstil des frühen 18. Jahrhunderts erbaut auf den Trümmern des mehrfach abgebrannten Vorbaus, ragt majestätisch in den stahlblauen Himmel: im typischen Stil der Jurabauten – ohne viele Schnörkel und dennoch auf ihre Weise romantisch. Die Stille und die angenehm kühle Luft im Innern der Kirche werden von fast beiläufigen Tönen, die zwei alten Pianos entlockt werden, wie von einer scharfen Schere in jähe Stücke geschnitten. Es ist, als würde man beim Betreten schrumpfen, der fast leere, enorm grosse und geschichtsschwangere Raum lässt unweigerlich Ehrfurcht aufkeimen.

In der Parallelwelt

Übergrosse, wie Paravents angewinkelte Spiegel nutzt die Zürcher Künstlerin Zilla Leutenegger zu Leinwänden um, in denen sich die Betrachterin, der Raum und die scheinbar simplen Natur-Sujets abermals spiegeln. Als befände man sich in einer Parallelwelt, in der Schwebe zwischen Traum, Erinnerung und Wirklichkeit.

Als würde sie damit den Hausgeist der Kirche hinaufbeschwören, installierte die Zürcher Künstlerin für ihre Ausstellung «L’ouest ou l’est» zwei wie von Gespensterhand erklingende, einst zur Entsorgung bestimmte Flügel. Sie bilden einen starken farblichen Kon­trast zum sonst weissen Kircheninnenraum. Mal erklingt nur das Eine, dann ist es, als träten die zwei Pianos in einen angeregten Dialog. Das eine in tiefer und beschwichtigender Bassstimme, das andere zuweilen schrill und fordernd, bis sich ihre Unterhaltung wieder irgendwo im beinahe grotesk hohen Raum auflöst. Gesteuert werden die Klaviere von je einem Solarpanel, die sich auf dem Dach des Gebäudes befinden. Eines ist gegen Osten ausgerichtet, das andere gegen Westen, so plaudert ein Klavier am Morgen und wird am Nachmittag vom anderen abgelöst. Steht die Sonne am höchsten, beginnt der Dialog. Je heller die Sonne, desto lauter das Spiel.

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