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Sie hält sich den Spiegel vor: «Lucid I» von Anouk Sebald.© Anouk Sebald
Kunstraum Gepard 14, Liebefeld

Das konstruktive Ich

«Das konstruierte Ich. Auf den Spuren von Hannah Villiger» von Anouk Sebald ist die Antwort auf einen Verriss. Ihre Selbstbildnisse sind im Kunstraum Gepard 14 zu sehen.

2002, Vernissage in Zürich. Unter ihrem Pseudonym Louise Eliot hat sich Anouk Sebald selbst abgelichtet. Und fällt damit bei einer Journalistin durch. «Das konstruierte Ich» heisst die Kritik, die einer Anklageschrift gleicht. Selbstverherrlichend und obendrein ein Plagiat der Zuger Künstlerin ­Hannah Villiger seien Sebalds Werke. Die damaligen Vorwürfe hat die Bernerin konstruktiv für ihre Kunst genutzt und sich intensiv mit dem Werk der ihr bis dahin unbekannten Villiger beschäftigt. Das Resultat ist in der Ausstellung «Das konstruierte Ich. Auf den Spuren von Hannah Villiger» in der Liebefelder Offspace-Galerie Gepard 14 zu sehen.

Identifikation der «Selfie-Generation»

Wie in Nebel gehüllt, folgt das Auge verschwommenen Linien. Ein Kopf ist erkennbar, vergebens vergräbt er sich in der alarmierend pinken Mütze. Ab 1997 dokumentiert Sebald auf Polaroid und in gemalten Selbstporträts, was die «Selfie-Generation» heute tagtäglich mit dem Smartphone tut. Statt Eitelkeit stecke dahinter aber mehr, betont die Künstlerin, man halte sich den Spiegel vor. Anders als Sebalds «Seelengemälde» bannte Villiger ab den 80er-Jahren Momente eigener Verletzlichkeit in Aktfotografien auf Polaroid. «Obwohl Villiger und ich diese Unmittelbarkeit ohne Modelle, mit unserem eigenen Körper ausdrücken, sehe ich darin einen grossen Unterschied zu meiner Bildsprache. Es geht um ein Ich, nicht um mich.» 

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