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Begegungsplattformen für Kunstschaffende sind eine Dringlichkeit: Eröffnung des Connected Space im Herbst 2019.© Ângela Neto

«Auf Dauer werden neue Sozialfälle geschaffen»

Mit einem gemeinsamen Statement will das Kollektiv Bern auf die lebensbedrohende Situation der Freien Szene der bildenden Kunst aufmerksam machen und fordert gleich­zeitig eine bessere Kommunikation und mehr Wertschätzung für zeitgenössische Kunst in Politik und Gesellschaft.

«Wenn wir tatsächlich bis im Frühling auf die Unterstützungsgelder warten müssen, geht die Szene, das Netzwerk hopps», sagt Daria Gusberti ernst. Die Künstlerin spricht als Mitglied des Kollektiv Bern, des Interessenverbunds der Berner Kunsträume und Initiativen. Es ist eine Art Aufschrei der Off-Szene der bildenden Kunst. Eine Art Lobbysierung. Das Manifest reiht sich ein in die offenen Briefe der Dampfzentrale oder des Schlachthaus Theaters.

Die Freie Szene der bildenden Kunst ist eine Nische, sagt Gusberti. Deshalb hatten sie 2019 beim Hauptstadtkulturfonds das Projekt «Connected Space» eingegeben und damit gewonnen. Bis März 2021 gäbe es eine Art Staffellauf durch die Berner Kunstszene, mit dem Ziel, aus den Räumen in den öffentlichen Raum zu gehen. «Wir versuchen uns eine Stimme zu geben, auf uns aufmerksam zu machen», so Gusberti. Und nun, in dieser prekären Kultur-Lockdown­-Situation wollen sie mit einem gemeinsamen Statement noch lauter werden. «Damit wir nicht untergehen.» Was sie jetzt vor allem beobachten könne, sei eine grosse, starke Ermüdung. Ermüdung durch die unklare Kommunikation seitens des Kantons und Bundes, Ermüdung durch Umplanungen, durch immer und immer wieder wiederholtes Verschieben, Absagen, Umdisponieren. Und auch, oder vor allem, eine Ermüdung, ausgelöst durch Zukunfts­losigkeit. «Auf Dauer werden neue Sozialfälle geschaffen», sagt sie. Dies gälte es zu verhindern und Unterstützungsgelder seien nötig.

 

«Welch komisches Statement»

Problematisch sei auch, dass alles in der bildenden Kunst in einen Topf geworfen werde. Aber über die Museen und Galerien hinaus gebe es eben auch die Freie Szene, und die werde eh nicht so stark frequentiert. Ein absolutes Unverständnis liegt deshalb in der Luft: «In einem Kaufhaus stehen sich in der Vorweihnachtszeit die Menschen auf den Zehen rum, unsere Räume, die vielleicht höchstens von sieben Menschen gleichzeitig besucht werden, bleiben geschlossen. Welch komisches Statement unserer Gesellschaft.» Gerade junge Kunstschaffende bräuchten diese Begegnungs­plattformen jedoch. Und Gusberti unterstreicht dezidiert: «Strukturen, die jetzt nicht umgehend finanziell unterstützt werden, gehen kaputt. Und können nicht so schnell wieder aufgebaut werden.»

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