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Gemalt auf Leinen, im Kriegsdienst: «Farbige und graphische Winkel» (1917). © Zentrum Paul Klee, Bern, Schenkung Livia Klee
Zentrum Paul Klee, Bern

Abstrakte Explosionen

Der Erste Weltkrieg als Materiallieferant: Die Ausstellung «Klee im Krieg» im Zentrum Paul Klee zeigt Klee zwar als Zyniker im Kriegsdienst, befreit ihn aber vom Vorwurf der blauäugigen Schönmalerei.

Er konnte zwar schön malen, aber trotz moderner Abstraktion und spielerisch-poetischer Kunst ist Paul Klee weniger Schönmaler, als ihm nachgesagt wird. Bilder aus den 30er-Jahren zeigen das Konterfei Hitlers («Der Stammtischler», 1931), sind mit braunen Stiefeln bemalt oder heissen «Angstausbruch». Der Ursprung kriegskritischer Sujets findet sich aber schon im Frühwerk aus der Zeit des Ersten Weltkriegs – nur sind die Titel wenig explizit. Ein Detail, das Kuratorin Fabienne Eggelhöfer ausführt: «Der Galerist riet Klee im Hinblick auf die Umsätze andere Titel zu setzen.» So wurde aus «Erobertes Fort» zum Beispiel «Zerstörung und Hoffnung». Nichtsdestotrotz finden sich lakonische Bildtitel wie «Millionenmord das macht nichts» in der neuen Ausstellung «Klee im Krieg» im Zentrum Paul Klee. Die Ausstellung soll laut Eggelhöfer das Bild vom «weltfremden Klee» korrigieren.

Befremdlicher Zynismus

Klee wurde erst 1916 zum Dienst einberufen. Zu diesem Zeitpunkt waren seine deutschen Malerfreunde und anfänglichen Kriegsbefürworter Franz Marc und August Macke schon gefallen. Briefe von Klee sind durchzogen von einem befremdlich frohgemuten Zynismus. Seine Werke aber sprechen eine andere Sprache: Darin sind Sujets mit Bomben und abs­trakten Explosionen auszumachen. Auch die Pickelhaube, ein Militärhelm, und laut Eggelhöfer bei Klee «ein Motiv des lächerlichen, militärischen Drills», findet sich immer wieder. Die kriegsbedingte Materialnot wird sichtbar bei Bildern auf Quittungsbögen oder Leinenfetzen, mit denen Flugzeugträger eingefasst werden sollten.

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